• Benzin in der Wohnung der Rentnerin entzündet Pflegekraft wegen Mordversuchs vor Gericht

Berlin : Benzin in der Wohnung der Rentnerin entzündet Pflegekraft wegen Mordversuchs vor Gericht

Nachts schlich sie in die Wohnung der bettlägerigen Rentnerin. Angeblich wollte Melanie G. Spuren ihrer vorangegangenen Diebstähle und Betrügereien beseitigen. Sie legte Feuer. Sie hörte noch die Schreie der alten Dame. „Nein, nein“, habe die 81-jährige Frau gerufen, sagte Melanie G. gestern vor dem Landgericht. Ohne sich um die Rentnerin zu kümmern, war sie in jener Dezembernacht aus dem Fenster gesprungen.

„Sie wussten doch, dass die Frau das Bett nicht verlassen konnte. Was haben Sie sich dabei gedacht?“, hielt die Vorsitzende Richterin der Angeklagten vor. „Ich weiß nicht, was mich geritten hat“, schluchzte die 28-Jährige aus Tegel. Sie habe die alte Dame, die sie über längere Zeit als Mitarbeiterin eines Pflegedienstes versorgt hatte, nicht töten wollen. „Ich wollte Unterlagen vernichten.“ Die Anklage geht von einem Mordversuch aus.

Pflegekraft Melanie G. hat nicht nur die 81-Jährige aus Westend bestohlen. In der Anklage wurden vier weitere Patienten aufgelistet, die sie bei Einsätzen um insgesamt rund 2000 Euro gebracht hat. Und es soll weitere Fälle geben. „Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen, sah aber nur meine Geldsorgen und offene Rechnungen“, gestand die alleinerziehende Mutter einer Tochter.

Die angelernte Hauspflegerin Melanie G., eine korpulente Frau mit roten Haaren, sehnte sich nach Anerkennung. Mit Hilfe einer speziellen Magenoperation nahm sie 45 von zuvor 155 Kilo ab. „Ich bekam plötzlich Komplimente“, berichtete sie. Einkaufen wurde ihre neue Leidenschaft. Sie kaufte Kleidung, Möbel, ein Auto. Und der Schuldenberg wuchs.

Bei der 81-jährigen Dagmar P. hatte sie Überweisungsträger entdeckt und gefälscht. In zwei Etappen flossen 3 500 Euro auf ihr Konto. Sie hoffte, dass der Schwindel nicht auffallen würde. Doch als sie am 13. Dezember den zweiten Teil ihrer Beute abheben wollte, war ihr Konto gesperrt. „Ich bekam Panik“, versuchte sie das Horrorszenario, das sie zwei Tage später anrichtete, zu erklären.

Melanie G. war drei Wochen zuvor nach einer Anzeige einer pflegebedürftigen Frau aus Schöneberg entlassen worden. Den Schlüssel von Rentnerin P. hatte sie noch. Sie vergoss in Schlafzimmer und Flur fünf Liter Benzin, zündete es an. „Das Feuer ging aber nach fünf Minuten aus“, sagte die Angeklagte. Als sich die Wohnungstür nicht öffnen ließ, sprang sie aus einem Küchenfenster und verletzte sich selbst. Die Rentnerin wurde am Morgen von einer Pflegerin gefunden. Sie kam mit einer schweren Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. K. G.

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