Berlin : Benzinproteste: Blockade oder nicht"? Lkw-Fahrer sind gespaltener Meinung.

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Vor sechs Jahren saß Ingo Hagemann wegen einer Lkw-Blockade eine Woche lang auf der Autobahn in Frankreich fest. Die Kühlung fiel nach vier Tagen aus, die Ladung Obst war hin. Hagemann hatte damals Verständnis und auch heute. "Die Franzosen machen das genau richtig", sagt der bärtige Chemnitzer Fernfahrer.

Hagemann steht mit seinem 40-Tonner auf dem Autobahn-Rastplatz Dreilinden. Sein Cockpit ist voll ausgestattet: Fernseher, Kaffeemaschine, Funkgerät. In den letzten Tagen stand Hagemanns Funkgerät selten still. Die neuesten Nachrichten über Protestaktionen gegen die hohen Dieselpreise wurden rumgereicht. "Die Stimmung ist ziemlich schlecht", sagt Hagemann. "Aber keiner hat den Mut, etwas zu unternehmen." Morgens hat Hagemann im Schwarzwald getankt, 800 Liter. Das reicht für 2500 Kilometer. Der Chemnitzer weiß genau, wo der Diesel am billigsten ist. Seine Chefin faxt ihm eine Liste mit billigen Tankstellen an Autobahnausfahrten zu, von Alchstetten bis Wörth an der Isar. Hagemann bemüht sich, die Spritrechnung für seine Chefin niedrig zu halten. "Denn sonst ist mein Weihnachtsgeld und Lohnerhöhung auch futsch."

Warum der Sprit so teuer ist, darauf weiß Hagemann auch keine Antwort. Und welchen Anteil die Ökosteuer dabei ausmacht? Hagemann zuckt die Schultern. Eins aber weiß er genau: "Es muss etwas passieren. KFZ-Steuer und Ökosteuer müssen runter." Von seinen Kollegen hat Hagemann über Funk erfahren, dass alle gespannt auf die Sternfahrt nach Berlin am 26. September warten. Auch er will kommen, mit 60 über die Autobahn.

Dirk Kniestedt ist anderer Meinung. "Ich kann nur hoffen, dass es keine Blockaden in Berlin gibt. Dann kann ich nämlich nicht fahren." Kniestedt hat gerade eine Ladung Blechteile auf dem Containerbahnhof am Lehrter Bahnhof gelöscht. Kniestedt glaubt nicht, dass Blockaden an der Spritpreissituation irgend etwas ändern könnten. Wenn überhaupt, könnten sie seiner Spedition nur schaden, meint er." Die Stimmung hier ist klar gegen eine Blockade", bestätigt Gerald Kühnel, der Verantwortliche der DB Cargo für den Umschlagbahnhof. Ein Grund sei, dass die Zahl der selbständigen Fahrer nach dem harten Preiskampf der letzten Jahre in Deutschland gering. "In Frankreich ist die Situation ganz anders. Da gibt es viel mehr Selbstständige", sagt Kühnel. Und die würden von den Spritpreiserhöhungen sehr viel unmittelbarer bedroht als angestellte Fahrer.

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