BER-Aufsichtsrat über seinen Rückzug : "Die BER-Eröffnung 2017 ist zu schaffen"

Michael Zehden spricht im Tagesspiegel-Interview darüber, warum er aus dem Flughafen-Aufsichtsrat ausscheiden wird. Er war am längsten mit dabei.

Thorsten Metzner
Nichts los: der BER von innen.
Nichts los: der BER von innen.Foto: dpa

Der Hotel-Unternehmer Michael Zehden vertritt seit 2003 die Berliner Tourismuswirtschaft im BER-Aufsichtsrat. So lange wie er ist niemand im Gremium. Er ist zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Tochtergesellschaft BFG, die den Flughafen Tegel betreibt, und gilt als bestens vernetzt in der Berliner Politik. Im Tagesspiegel-Interview spricht er jetzt über seinen Rückzug aus dem Kontrollgremium, die Vorwürfe des brandenburgischen Rechnungshofes und die Lage am BER.

Sie sind bislang der einzige Nicht-Politiker unter den Berliner BER-Aufsichtsräten. Warum ziehen Sie sich aus dem Kontrollgremium zurück?

Ich bin inzwischen 14 Jahre dabei. Ich finde es richtig, wenn sich eine Mannschaft auch einmal verändert. Im Übrigen hatte ich mich dazu bereits vor einem Jahr entschieden. Damals hatte mich der Regierende Bürgermeister Müller aber gebeten, aufgrund meiner langjährigen Aufsichtsratstätigkeit – und dem damit verbundenen Wissen über Hintergründe von Entscheidungen der Vergangenheit – noch für eine Übergangszeit weiterzumachen.

Kein Aufsichtsrat ist länger dabei als Sie. Mit dem aktuellen Rechnungshof-Bericht aus Brandenburg, der dem Gremium Versagen attestiert, hat Ihr Schritt nichts zu tun?

Nein, überhaupt nicht. Mein Wunsch, den Aufsichtsrat zu verlassen, stammt aus dem Jahr 2014. Trotzdem sieht der Zeitpunkt nach einer Flucht aus. Es ist keine Flucht. Ich springe nicht von Bord. Ich bin seit 2005 Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafentochter BFG, die den erfolgreichen Airport Tegel betreibt. Und das bleibe ich in Abstimmung mit dem Regierenden Bürgermeister. Geplant ist, dass ich das bis zur Schließung von Tegel tun werde.

Treffen Sie die BER-Befunde des Rechnungshofs?

Ich kenne den Bericht bisher nicht, nur Auszüge aus den Medien. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mich dazu nicht äußern.

Michael Zehden zieht sich nach 14 Jahren aus dem BER-Aufsichtsrat zurück.
Michael Zehden zieht sich nach 14 Jahren aus dem BER-Aufsichtsrat zurück.Foto: picture alliance / dpa

Laut dem Bericht war am Tag der Absage am 8. Mai 2012 am BER fast nichts fertig. Das hat von den Kontrolleuren niemand bemerkt?

Uns wurde von der Geschäftsleitung noch in der Aufsichtsratssitzung am 20. April 2012 lediglich die Brandschutzproblematik vorgestellt, die mit Mensch-Maschine-Lösung in innerhalb von zwei bis drei Monaten behoben sein sollte. In der gleichen Sitzung hat uns ein Eventmanager minutiös den Ablauf der BER-Eröffnungsfeier für 40.000 Gäste vorgestellt. Der Aufsichtsrat konnte nicht davon ausgehen, dass angeblich so viel nicht fertig gestellt ist. Niemals, auch nicht von externen Experten und Wirtschaftsprüfern, wurde eine Ampel auf Rot gestellt.

Sie fühlen sich selbst betrogen?

Ja. Ich weiß nicht, ob man das Betrug nennt. Auf jeden Fall wurden wir falsch informiert.

Herr Zehden, Fürchten Sie persönlich, dass die Haftungsprüfung gegen den alten Aufsichtsrat wiederholt wird?

Selbst wenn das geschehen sollte, hätte ich keine Sorge: Denn ich habe mir nichts vorzuwerfen, weil ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Aufgabe wahrgenommen habe.

Die Berliner interessiert am BER eigentlich nur noch eins: Wird es noch etwas mit der Eröffnung 2017 oder müssen wir uns realistisch auf 2018 einstellen?

Nach heutigen Erkenntnissen ist die Inbetriebnahme bis Ende 2017 zu schaffen. So lange das so ist, sollte man nicht über Verschiebungen auf 2018 spekulieren.

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