• BER-Chefaufklärer Martin Delius: "Mehdorn ist der Falsche, um den BER fertig zu bauen"

BER-Chefaufklärer Martin Delius : "Mehdorn ist der Falsche, um den BER fertig zu bauen"

Zur Stunde tagt der BER-Aufsichtsrat, es geht um neue Milliarden für das Problemprojekt. Pirat Martin Delius, Vorsitzender des BER-Untersuchungsausschusses, spricht im Interview über die Leistung Hartmut Mehdorns und eine Idee, wie es mit der Baustelle überhaupt weitergehen kann.

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Wie kann's weitergehen auf der BER-Baustelle? Auf jeden Fall nicht mit Hartmut Mehdorn als Alleinverantwortlichem, findet Pirat Martin Delius.
Wie kann's weitergehen auf der BER-Baustelle? Auf jeden Fall nicht mit Hartmut Mehdorn als Alleinverantwortlichem, findet Pirat...Foto: dpa

Weitere rund 800 Millionen Euro, Gesamtkosten von mehr als sechs Milliarden Euro: Ist Hartmut Mehdorn vielleicht einfach nur der einzige, der ehrlich ist, was das BER-Budget angeht?

Ehrlich ist er schon. Dass mehr Geld gebraucht wird, ist auch wegen der Ereignisse in den vergangenen Monaten plausibel: die gescheiterte Teileröffnung am Nordpier, der Stillstand auf der Baustelle, die verfehlte Personalpolitik. Das entbindet Herrn Mehdorn aber nicht davon, genau zu sagen, wofür er mehr Geld braucht. Für immer neue Managementberater sollte er kein Geld bekommen. Für mehr Personal, damit die Schallschutzanträge der Anwohner schneller bearbeitet werden können, aber schon.

Für die Ereignisse in den vergangenen Monaten, etwa die gescheiterte Teileröffnung, trägt Mehdorn doch aber selbst die Verantwortung?

Deshalb sollte er auch nicht länger für den Bau des BER zuständig sein. Vor langer Zeit wurde die Aufgabe, den BER zu bauen, der Flughafengesellschaft nur unter einer Voraussetzung übertragen: Ein technischer Geschäftsführer sollte, auf Augenhöhe mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, den Bau verantworten. Zu dieser Struktur müssen wir zurückkehren, denn die Flughafengesellschaft ist in der jetzigen Konstellation mit dem Projekt strukturell überfordert.

Ließe sich denn überhaupt noch jemand finden, der sich diesem Projekt verschreibt?

Für den Umbau der Entrauchungsanlage konnte ja auch gerade ein Fachmann gewonnen werden. Es gibt Menschen, die den BER fertigbauen würden und das auch könnten. Problematisch wäre es aber, jemanden zu installieren, der an Weisungen von Hartmut Mehdorn gebunden ist, so wie der neu berufene Technikchef Jörg Marks. Stattdessen muss derjenige mit Mehdorn gleichrangig arbeiten, so dass es eine wechselseitige Kontrolle gibt.

Der Fall Amann lässt bezweifeln, ob ein solches Arrangement mit Mehdorn machbar wäre.

Mehdorn wäre professionell genug, sich darauf einzulassen, wenn es nur eine klare Ansage des Aufsichtsrates gäbe. Aber die fehlt leider.

Was ist vom Argument des Flughafenchefs zu halten, der BER werde vor allem deshalb teurer, weil er mittlerweile für mehr Passagiere als ursprünglich geplant ausgelegt ist?

Gar nichts. Über die Umplanungen, die Mehdorn meint, wurde vor langer Zeit entschieden, das hat mit der Kostenexplosion in den jüngsten Jahren nichts zu tun.

Hartmut Mehdorn redet auch schon von weiteren 1,4 Milliarden für den Bau eines Satelliten-Terminals. Ist das eine kluge Idee?
Im Gegenteil, es wäre verantwortungslos, über eine weitere Erweiterung nachzudenken. Die Aufgabe, den BER so wie er ist fertigzubauen, ist komplex genug. Weitergehende Pläne würden die Flughafengesellschaft vollends überfordern. Es muss ohnehin mal gesagt werden, dass die Kapazitätsdebatte ein Luxusproblem ist. Es geht nicht darum, ob der BER womöglich seine Aufgaben nicht erfüllen kann – sondern darum, ob es ein bisschen enger wird oder ein bisschen mehr Platz ist und man noch eine Extra-Lounge einrichten kann. Und eine langfristige Entwicklungsperspektive bietet der Standort ohnehin nicht.

Aber der BER entsteht nun einmal in Schönefeld.

Wenn man ihn fertig bauen will, dann so schnell wie möglich. Danach sollte man den Bau eines tatsächlichen Großflughafens an einem besser geeigneten Standort in Angriff nehmen.

Der Krisenflughafen im Computerspiel
Erkennen Sie ihn wieder? Richtig, das ist der Flughafen Berlin Brandenburg...Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: Walde
28.02.2014 22:28Erkennen Sie ihn wieder? Richtig, das ist der Flughafen Berlin Brandenburg...

In Sperenberg?
Das ist nicht gesagt. Es müsste endlich ein echtes Flughafenkonzept für Nord- und Ostdeutschland entworfen werden. Was das für konkrete Standorte heißt, ist heute noch nicht absehbar. Für den BER müssen wir aber auch über Nachnutzungskonzepte nachdenken.

Aber erst einmal bleibt das Milliardengrab Berlin erhalten. Bei welchen Kosten wird das Projekt am Ende landen?
Die Sechs-Milliarden-Marke wird sicherlich geknackt. Wie viel obendrauf kommt, hängt ganz allein davon ab, wie viel Chaos und Desaster noch folgen. Und das kann, wie wir alle wissen, niemand abschätzen.

A propos Desaster: Das soll der Untersuchungsausschuss, dessen Vorsitzender Sie sind, doch eigentlich aufklären. Ist dem Prinzip BER überhaupt mit parlamentarischen Mitteln beizukommen?
Ja, denn am Ende treffen die Parlamente die Entscheidungen. Sie müssen sich nur selbst wieder ernst nehmen. Das große Problem des Untersuchungsausschusses ist, dass er neben den Ermittlungen zu Vergangenem auch noch aktuelle Informationen prüfen und bewerten soll. Dabei müsste das innerhalb des regulären parlamentarischen Betriebs geleistet werden. Der Haushaltsgesetzgeber hat jederzeit das Recht, ein Projekt neu zu bewerten, und das sollten die Parlamente tun.

Und welche Entscheidung müssten die Abgeordneten in Berlin, Brandenburg und im Bund dann treffen?
Der erste Schritt muss sein, eine Projektgesellschaft aus der Flughafengesellschaft herauszulösen, die den BER fertig baut. Sonst gefährdet das Projekt am Ende das gesamte Berliner Flughafensystem, auch den Betrieb in Tegel und Schönefeld.

Das heißt, Hartmut Mehdorn bliebe Chef der Flughafengesellschaft, aber die Zuständigkeit für den Bau des BER wäre ihm entzogen?
In der Konsequenz ja. Ob die Lösung ein gleichberechtigter technischer Geschäftsführer oder eine Projektgesellschaft ist: Hartmut Mehdorn darf nicht länger derjenige sein, der den BER fertig baut. Er ist der Falsche dafür.

Und wie sähen die weiteren Schritte aus?
In der Projektgesellschaft gäbe es schlankere, direktere Managementstrukturen, auch Vergabeverfahren wären einfacher zu handhaben. Dann wäre es hoffentlich leichter, den Bau fertig zu stellen.

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