BER-Debakel : Flughafen Tegel: Der Alte muss noch durchhalten

Tegel wird bis mindestens 2014 genutzt. Die Fluggesellschaften sind in Sorge. Schönefeld ist eine Alternative – doch umziehen will keiner.

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Sieht man ja auch nicht alle Tage aus dieser Perspektive: den Flughafen in Berlin-Tegel. Rechts das Terminal mit den zwei Pisten davor. Oben im Bild Flughafensee (rechts, der kleine) und der Tegeler See. Unten die Kleinanlagen zwischen Piste und Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal.Weitere Bilder anzeigen
02.02.2017 09:45Sieht man ja auch nicht alle Tage aus dieser Perspektive: den Flughafen in Berlin-Tegel. Rechts das Terminal mit den zwei Pisten...

Der Flughafen Tegel ist am Limit. Er befindet sich längst an der Kapazitätsgrenze und muss nun noch länger durchhalten – und deshalb will die Flughafengesellschaft dort weiter investieren. Vor allem die Abläufe sollen optimiert werden, sagte Sprecher Ralf Kunkel. Einzelheiten nannte er noch nicht. Die Ausgaben müssen auch noch vom Aufsichtsrat bewilligt werden. Bereits nach der ersten Verschiebung des BER-Eröffnungstermins waren zwei Millionen Euro für Tegel locker gemacht worden.

Die Konzerne machen sich Sorgen um das Material auf dem alten Flughafen aus den 70er Jahren. Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber fordert, dass gewährleistet wird, dass bei einem Ausfall von Anlagen diese kurzfristig repariert werden. Dies gelte vor allem für die Gepäckbänder und die Fluggastbrücken, die in die Jahre gekommen und deshalb störungsanfällig seien. Wichtig sei, die vorhandene Infrastruktur am Laufen zu halten.

Videoumfrage zum BER-Debakel:

Schon bisher habe es auch bei einem kurzfristigen Ausfall der Gepäckbänder Engpässe gegeben, weil dann Personal gefehlt habe. Dieses müsse ausreichend vorhanden sein, forderte Weber. Der fürs Gepäck zuständige Dienstleister Globe Ground hat nach seinen Angaben sein Personal durch Zeitarbeiter verstärkt, macht zur Zahl aber keine Angaben. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Dauerbelastungen noch größer werden, da wir jetzt schon über die Kapazitätsgrenzen hinaus arbeiten“, erklärte Geschäftsführer Bernhard Alvensleben. Hierbei bitte er um die Unterstützung und das Verständnis der Partner und Passagiere.

Air Berlin hatte nach dem Bekanntwerden des erneut verschobenen Eröffnungstermins für den BER-Flughafen gefordert, die Flughafengesellschaft müsse in Tegel jetzt einen „noch besseren Standard“ erreichen, konkretisierte dies auf Anfrage aber nicht weiter.

So lange in Tegel und Schönefeld alles funktioniere, leide das internationale Ansehen der Stadt auch nach der erneuten Verschiebung weiter nicht, ist Burkhard Kieker, Geschäftsführer von Visit Berlin, überzeugt. In Schönefeld gebe es noch Kapazitäten und Slots, die etwa von neu hinzukommenden Fluggesellschaften genutzt werden könnten. Und in Tegel müsse man möglicherweise noch mal Geld in die Hand nehmen und ausbauen, sagte Kieker. Zwingen kann man Fluggesellschaften nicht, nach Schönefeld zu gehen oder dort zu bleiben. So war es möglich, dass die Lufthansa im vergangenen Jahr ihr Tochterunternehmen Germanwings von Schönefeld nach Tegel holte, um dort Flüge aus einer Hand anbieten zu können. Zusätzliche Flüge werde es bei Lufthansa nun aber kaum noch geben, sagte Konzernsprecher Weber. In den verschiedenen Flugplänen würden Ziele meist nur noch getauscht. So kämen im Sommer Antalya, Faro und Menorca ins Programm, dafür fielen Innsbruck und Marrakesch raus.

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