BER-Debakel : Inbetriebnahme möglicherweise erst im Frühjahr 2013

Am heutigen Mittwochnachmittag beginnt die Aufarbeitung des Debakels um den neuen Flughafen. Bei der genaueren Lektüre der Projektberichte wird indessen klar: Die Verantwortlichen hätten gewarnt sein können.

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Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung für das Flughafen-Desaster übernommen. Am 24.05.2013 wies er jedoch eine persönliche Verantwortung für die mehrfache Verschiebung des Eröffnungstermins im BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses von sich. Doch nun, Mitte Dezember ist sein Comeback als Aufsichtsrat sicher.Weitere Bilder anzeigen
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13.12.2013 10:52Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung...

Am heutigen Mittwochnachmittag berät der Aufsichtsrat des Flughafens über Konsequenzen aus dem BER-Desaster, passenderweise auf der Baustelle. Vorher tagt der Projektausschuss.

Nach dem Kreuzverhör durch Aufsichtsratschef Klaus Wowereit, Vize Matthias Platzeck und die anderen Vertreter wird Planungs-Manager Manfred Körtgen wahrscheinlich seinen Stuhl räumen müssen. Dass danach ein neuer Eröffnungstermin genannt wird, ist eher zweifelhaft. Nach Recherchen von Tagesspiegel-Online ist eine verlässliche Eröffnung frühestens in einem halben Jahr möglich, nicht vor Oktober/November, so dass eine Inbetriebnahme im Frühjahr des Jahres 2013 nicht mehr ausgeschlossen sind. Die Rückstände beim Bau, insbesondere bei den neuralgischen Techniksystemen des Terminals, sind lange bekannt.

Keine einzige rote, aber viele gelbe Ampeln - Geschäftsführung und Aufsichtsrat des Flughafens hätten bei genauer Lektüre gewarnt sein können: Im letzten regulären Controllingbericht der Projektüberwacher der Firma WSP/CBP, die den Bau des Willy-Brandt-Airports kontrolliert, finden sich deutliche Hinweise auf massive Verzögerungen und Rückstände. Das dem Tagesspiegel vorliegende 90-Seiten-Papier, datiert vom 20. März 2012, war dem Aufsichtsrat zur Sitzung am 20. April 2012 vorgelegt worden. Zwar wird darin klar erklärt, dass die Eröffnung am 3. Juni gesichert sei, worauf sich alle verließen. Eine rote Ampel („terminlich kritisch mit Auswirkung auf Inbetriebnahme“) findet sich nirgends. Doch zugleich ist dem Bericht zu entnehmen, dass der Rückstand, um den Airport voll funktionstüchtig zu eröffnen, also ohne provisorische, „teilmanuelle“ Lösungen, teilweise ein halbes Jahr beträgt. Es wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass sich das Projekt in Schlüsselbereichen „auf dem kritischen Weg“ befindet, markiert mit gelben Ampeln („terminlich kritisch ohne Auswirkung auf Inbetriebnahme“).

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Der neue Airport wird nicht wie geplant im Juni öffnen.
Besuchertag in Schönefeld

Besonders bei den entscheidenden Technik-, Gebäude- und Brandschutzsystemen im Fluggastterminal waren die Rückstände dramatisch. „Vor allem die Fertigstellung der Gebäudefunktionssteuerung, welche alle sicherheitsrelevanten Anlagen des Flughafens (u.a. der Brandmelde- und Entrauchungsanlage sowie der Zutrittskontrollen) miteinander verbindet und untereinander steuert, ist absolut kritisch und unterliegt daher einer sehr engen Steuerung.“

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