BER-Standortfindung : Eberhard Diepgen: „Sperenberg war eine Option“

Im Interview äußert sich der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen über die einstige Standortfindung beim BER - und den Lärmschutz heute.

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Ein weites Feld. Für den Großflughafen in Schönefeld gibt es schon Fluggastbrücken, aber noch keinen Eröffnungstermin. Dabei hätte auch woanders gebaut werden können.
Ein weites Feld. Für den Großflughafen in Schönefeld gibt es schon Fluggastbrücken, aber noch keinen Eröffnungstermin. Dabei hätte...Foto: picture alliance / dpa

Herr Diepgen, schön dass wir Sie erreichen. Es geht um den Flughafen.

Das Flughafenthema ist für ein kurzes Telefonat eigentlich zu vielschichtig. Aber zu Ihren Berichten will ich schon etwas sagen: Das sind olle Kamellen – ausführlich im Prozess der Meinungsbildung und auch mit den politischen Abwägungen im Untersuchungsausschuss vorgetragen.

Heißt das etwa, Sie haben sich 1995 als Regierender Bürgermeister Berlins nicht mit ihrem Brandenburger Amtskollegen Manfred Stolpe darauf geeinigt, den neuen Hauptstadtflughafen in Sperenberg zu errichten?

Doch, wir mussten uns doch zusammenraufen. In der Abwägung der Argumente für die Standorte Sperenberg oder Schönefeld erschien 1995 auch Sperenberg möglich – unter bestimmten Bedingungen.

Unter welchen?

Brandenburg wollte im Zweifel die Mehrkosten der Verkehrsanbindung übernehmen. Durch einen Staatsvertrag sollten außerdem massive Auswirkungen auf andere Infrastrukturprojekte in der Region ausgeschlossen werden. Manfred Stolpe hoffte, das in Brandenburg politisch durchsetzen zu können. Nach der geplatzten Länderfusion 1996 kam er zu mir und sagte: Jetzt kann ich das nicht mehr. Bei den verschiedenen Abwägungskriterien hat sich damit die Waage zugunsten von Schönefeld gesenkt.

Ein weites Feld. Für den Großflughafen in Schönefeld gibt es schon Fluggastbrücken, aber noch keinen Eröffnungstermin. Dabei hätte auch woanders gebaut werden können. Foto: dpa
Ein weites Feld. Für den Großflughafen in Schönefeld gibt es schon Fluggastbrücken, aber noch keinen Eröffnungstermin. Dabei hätte...Foto: picture alliance / dpa

Der frühere CDU-Fraktionschef Klaus-Rüdiger Landowsky behauptet, Ihre Partei sei wegen der Nähe zu Berlin sowieso immer für Schönefeld gewesen.

Das wäre eindimensional. Bei der Planung eines neuen Flughafens spielen doch viele Kriterien eine Rolle, nicht nur die Entfernung zur Stadt. Es ging um Rechtsfragen, die Kosten, die Anbindung, die Umwelt und nicht zuletzt um die wirtschaftliche Entwicklung von Berlin.

Die immer wieder verschobene Eröffnung des Flughafens und die anhaltenden Bürgerproteste sprechen nicht gerade für Schönefeld.

Woher wollen Sie denn wissen, dass es in Sperenberg keine Pannen bei der Bauausführung gegeben hätte? 1996 war die Entscheidung für Schönefeld richtig, sie entsprach durch die Stadtnähe dem erwarteten Fluggastaufkommen und den Interessen der regionalen Wirtschaftsentwicklung. Die Finanzierungsprobleme machten eine Entscheidung zugunsten Sperenbergs dann unmöglich.

Können Sie sich vorstellen, dass die Debatte um den richtigen Standort des BER noch einmal auflebt?

Ich bin fantasiebegabt. Aber die Debatte ist pure Zeit- und Energieverschwendung. Sie lenkt von den wirklichen Aufgaben ab. Das sind die Inbetriebnahme des neuen Flughafens in Schönefeld und befriedende Lärmschutzmaßnahmen rund um den BER. 1996 war jedenfalls klar: Beim Lärmschutz muss geklotzt, nicht gekleckert werden.

Waren Sie nun für einen Flughafen in Sperenberg oder nicht?

Ich wiederhole: Sperenberg war eine Option. Und ich wollte möglichst einen Konsens mit Brandenburg. Aber nach der Absage aus Brandenburg war der Planungsauftrag für Schönefeld zwangsläufig. Jetzt sollten wir damit leben.

Das Gespräch führte Robert Ide.

Eberhard Diepgen, 71, war von 1984 bis 1989 und von 1991 bis 2001 Regierender Bürgermeister von Berlin. Er ist Ehrenvorsitzender der Berliner CDU.

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