BER : Warten auf den „Vokuhila-Flughafen“

Wie kann es weitergehen mit der Großbaustelle am BER in Schönefeld? Bei einer Debatte von Experten im Tagesspiegel-Verlagshaus blieb nur ein Fazit: „Augen zu und durch“.

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Auf dem Boden der Tatsachen. Dieter Faulenbach da Costa, Rainer Bretschneider, Klaus Kurpjuweit, Thorsten Metzner und Gerd Nowakowski bei der Diskussion.
Auf dem Boden der Tatsachen. Dieter Faulenbach da Costa, Rainer Bretschneider, Klaus Kurpjuweit, Thorsten Metzner und Gerd...Foto: Thilo Rückeis

Für den Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa ist der BER in Schönefeld ein „Vokuhila-Flughafen“ – „vorne zu kurz, hinten zu lang“. Es ist nicht nur die Brandschutzanlage, die den Verantwortlichen am Hauptstadtflughafen Kopfzerbrechen bereitet. Unklare Kosten, kein Termin für die Eröffnung, ein für die wachsenden Passagierzahlen falsch konzipiertes Terminal, der falsche Standort – die Geschichte des Scheiterns am Flughafen ist lang.

Anlass genug, beim Tag der offenen Tür des Tagesspiegels zum Talk zu laden – und dabei zugleich „Akte BER“, E-Book des Tagesspiegels, vorzustellen, das in dieser Woche erscheint. Neben da Costa war auch Brandenburgs Flughafenstaatssekretär Rainer Bretschneider zu Gast. Und der gab zu, dass es mit dem vorhandenen Konzept im Terminal Probleme bei der Abfertigung von Passagieren geben könnte. Nicht nur das: „Dass beim Flughafen etwas falsch gemacht wurde, das pfeifen inzwischen die Spatzen von den Dächern.“ Den Steuerzahler kommt das teuer zu stehen.

Der BER ist zu klein

Derzeit sind bereits 4,6 Milliarden Euro für den BER bewilligt. Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn hat eine weitere Finanzspritze von 1,1 Milliarden Euro beantragt. Ob das ausreichen wird, ist unklar. „Ich weiß noch nicht, wie viel teurer der BER wird, ob 1,1 Milliarden Euro, 0,9 oder 1,4“, sagte Bretschneider. „Ich glaube, dass man mit dem Geld den BER so fertig bauen kann, wie er 2012 ans Netz gehen sollte.“ Doch selbst nach der Eröffnung drohen neue Unwägbarkeiten oder, wie Tagesspiegel-Redakteur Thorsten Metzner es auf dem Podium formulierte: „Eine Gewissheit haben wir, dass die Turbulenzen weitergehen werden.“ Dabei geht es vor allem um die Kapazitäten. „Die Entwicklung ist über diesen Flughafen hinweggegangen“, sagte Bretschneider. Das erwartete Passagieraufkommen – derzeit liegt es in Berlin bei mehr als 26 Millionen Fluggästen pro Jahr – gehe deutlich darüber hinaus, was in den 1990er Jahren für möglich gehalten wurde. „Es gibt Sachen, die flughafenintern falsch angelegt worden sind“, sagte Bretschneider. Der BER werde deutlich über das hinauswachsen, wofür er ausgelegt wurde.

Faulenbach da Costa glaubt aber nicht, dass es irgendwann besser wird auf dieser „Chaosbaustelle“ – weil Fachwissen fehlt. In der Chefetage der Flughafengesellschaft, in der Geschäftsführung und im Aufsichtsrat gebe es nur „Experten ohne Expertise, das ist das Problem des BER“. Angesichts der Mängel auf der Baustelle sei der Weg bis zur Fertigstellung auch nicht kalkulierbar. Ursprünglich sei bei der Planung des BER von 22 Millionen Passagieren ausgegangen worden, deshalb hätte das Terminal gleich für ein Aufkommen von 44 Millionen Passagieren ausgelegt werden müssen. „Hier wurden grundlegende Kenntnisse der Flughafenplanung nicht beachtet“, sagte er. Da Costa plädierte dafür, angesichts der Engpässe schon jetzt die Planungen für eine dritte Start- und Landbahn zu starten. Das lehnte Bretschneider rundweg ab, die beiden vorhandenen Bahnen seien ausreichend. Einig zeigten sich beide allerdings darin, dass den Entscheidern am Flughafen, vor allem der Politik, wegen der fortdauernden Pannen am BER der Mut abhanden gekommen ist. „Die falsche Entscheidung für den Flughafen in Schönefeld führt doch dazu, dass die Politik Eiertänze macht und sich davor hütet, eine Aussage zur dritten Startbahn zu machen“, sagte da Costa. Wenn der BER in Betrieb sei, dann „steht die Entscheidung an, dann ist die Politik ein Getriebener“. Bretschneider gesteht bei aller Ablehnung einer dritten Start- und Landebahn aber zu, dass der BER aktuell nur in der vorhandenen Größe „so schnell und preiswert“ wie möglich fertig gebaut werde. „Im Moment haben viele Leute Angst, zukunftsorientiert und großzügig zu denken.“

Doch mehrere Flughäfen für Berlin?

Faulenbach da Costa schlug auch vor, vom Konzept eines einzelnen großen Flughafen-Standorts in Berlin abzurücken und stattdessen neben dem neuen Airport die kleineren Flughäfen in Berlin mit einzubinden und damit die Kapazitätsengpässe in Schönefeld, aber auch die Lärmbelastung zu entschärfen. Natürlich musste die Frage nach dem Eröffnungstermin gestellt werden. Metzner sagte: „Vor 2016 erwartet das niemand mehr. Augen zu und durch, nichts anderes ist jetzt möglich.“ Bretschneider, der auch Vize-Chef des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft ist, ließ sich nichts entlocken. „Ich sage keinen sechsten Termin.“ Vielmehr forderte er Lob, weil er so standhaft bleibt und keinen neuen Eröffnungstermin preisgibt, der dann wieder platzt.

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