BER-Debakel : Ministerium: Flughafenchef wusste früh von Terminproblemen

Berlins Flughafenchef Schwarz steht wegen des Debakels um die immer wieder verschobene Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens seit Monaten in der Kritik. Nun erhebt der Bund neue Vorwürfe gegen ihn.

Rainer Schwarz
Rainer SchwarzFoto: dpa

Sonderermittler im Bundesverkehrsministerium haben Berlins Flughafenchef Rainer Schwarz wegen der Verzögerungen beim neuen Hauptstadtairport weiter unter Druck gesetzt. Bei einer Sitzung Mitte Oktober warfen sie ihm vor, den Aufsichtsrat lückenhaft oder falsch informiert zu haben. Das geht aus einem Protokoll hervor, über das zuerst die „Bild“-Zeitung und der „Focus“ berichtet hatten. Die Ermittler empfehlen zu klären, ob Schwarz und der frühere Chefplaner Manfred Körtgen haftbar zu machen seien. Die beiden Geschäftsführer trügen die volle Verantwortung. Die Vertreter des Ministeriums sollten bei der kommenden Sitzung des Aufsichtsrats am 1. November die Vorwürfe ansprechen.

Schwarz sei bereits im vergangenen März durch die Unternehmensberatung McKinsey informiert worden, dass es Probleme beim Probebetrieb des geplanten Flughafens gebe. Der damals noch angepeilte Starttermin am 3. Juni sei „unter operativen Gesichtspunkten“ nicht mehr realistisch gewesen, hieß es in dem Protokoll. Erst im Mai hatte Schwarz aber den Aufsichtsrat darüber informiert, dass dieser Termin nicht zu halten sei - wegen Problemen mit der Brandschutzanlage.

Das Debakel um den neuen Flughafen in Bildern
Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung für das Flughafen-Desaster übernommen. Am 24.05.2013 wies er jedoch eine persönliche Verantwortung für die mehrfache Verschiebung des Eröffnungstermins im BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses von sich. Doch nun, Mitte Dezember ist sein Comeback als Aufsichtsrat sicher.Weitere Bilder anzeigen
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13.12.2013 10:52Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung...

Schwarz bestätigte laut Protokoll die Existenz zweier Schreiben von McKinsey. Er soll das erste Schreiben vom März als „sehr kritisch“ bezeichnet haben. Der Flughafenchef soll jedoch darauf hingewiesen haben, dass „es müßig sei, die Frage zu diskutieren, ob es auch durch die operativen Probleme zu einer Verschiebung gekommen wäre“. Entscheidend sei der Brandschutz gewesen. Erst Anfang Mai habe er erfahren, dass wegen der Probleme beim Brandschutz der Juni-Termin nicht zu halten gewesen sei, verteidigte sich Schwarz laut Protokoll.

Der Start sei nicht an operativen Fragen gescheitert, betonte er. (dpa)

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