Flughafen-Debakel : BER-Untersuchungsausschuss startet mit ersten Meinungsverschiedenheiten

19.10.2012 14:49 Uhrvon , und
Pirat Martin Delius beim Startschuss für den Untersuchungsausschuss. Foto: dpa
Pirat Martin Delius beim Startschuss für den Untersuchungsausschuss. - Foto: dpa

Update Der Untersuchungsausschuss zum BER-Desaster hat mit seiner Aufklärungsarbeit begonnen. Gleich zu Beginn haben die Regierungsfraktionen einen Antrag abgelehnt, der der Opposition die Arbeit erleichtert hätte. Einen weiteren Vorschlag von Martin Delius, Pirat und Ausschussvorsitzender, tat die Konkurrenz als Klamauk ab.

Wie wird der Ausschuss arbeiten?

Der Ausschuss soll alle zwei Wochen tagen, am Anfang steht ein Besuch auf der BER-Baustelle. In der Vergangenheit versuchten solche Gremien in Berlin den Bankenskandal und die Bau-Affäre um Tempodrom und Spreedreieck aufzuklären. Der BER-Ausschuss hat damit zu kämpfen, dass ein Großteil der Unterlagen vor allem des Aufsichtsrates von Senatskanzlei und Flughafengesellschaft als vertraulich und geheimhaltungsbedürftig deklariert hat, die Dokumente zwar eingesehen, aber nicht in öffentlicher Sitzung behandelt werden können.

Für die Flughafengesellschaft ist schon vor der ersten Sitzung klar: Verantwortlich sind die Architekten der Planungsgemeinschaft PG BBI um die Büros gmp und ISK sowie der vor dem Desaster für den Flughafen-Ausbau zuständige Geschäftsführer Manfred Körtgen. Er und die Architekten als Generalplaner wurden bereits geschasst; gegen die Architekten hat die Flughafengesellschaft eine Klage eingereicht; gespickt mit Vorwürfen, dass diese ihre Aufgaben nicht erfüllt hätten. Und zwar schon seit Jahren.

Der Ausschuss wird klären müssen, warum weder der weiter amtierende Sprecher der Geschäftsführung, Rainer Schwarz, noch der Aufsichtsrat unter dem Vorsitz des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) dieses „Versagen auf ganzer Linie“ nicht früher erkannt – und Konsequenzen gezogen – haben. Die Pläne, auch zur Entrauchungsanlage, wurden immer gebilligt. Unstrittig ist, dass es viele von der Flughafengesellschaft gewünschte Veränderungen gegeben hat, die zu Zeitverzug und Kostensteigerungen geführt haben. So wurde die Position der Andockbrücke für das Großraumflugzeug A 380 nachträglich verändert, was nach Angaben von Insidern die Planung durcheinanderbrachte. Die Flughafengesellschaft dementiert dies. Ob der Ausschuss hier weiterkommt, wird sich zeigen. Vielleicht sind aber auch schon vorher die Richter am Landgericht in Potsdam so weit, die die Klage der Flughafengesellschaft gegen die Planungsgemeinschaft verhandeln müssen.

Allerdings hat sich die Flughafengesellschaft mit dem Rausschmiss der Planungsgemeinschaft selbst behindert und den nach der geplatzten Eröffnung vom Aufsichtsrat genannten Starttermin am 17. März 2013 unmöglich gemacht. Das geht aus einem internen „Sachstandsbericht BER“ hervor. Der Grund dafür, dass auch dieser Termin nicht zu halten war, ist demnach die Kündigung der Planungsgemeinschaft. „Es bestand kein vitaler Projektprozess mehr“, heißt es in dem Papier. Auch eine „belastbare Terminplanung“ sei nicht vorhanden gewesen.

Die für Juni geplante BER-Eröffnung war Anfang Mai geplatzt. Der Flughafen soll jetzt am 27. Oktober 2013 eröffnet werden. Die Baukosten sind von geplanten 2,4 Milliarden Euro auf rund 4,3 Milliarden Euro gestiegen. Zuletzt mussten die drei Gesellschaft – Berlin, Brandenburg und der Bund – 1,2 Milliarden Euro als Finanzspritze in BER pumpen.

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