Mehrkosten am BER : Mehdorn: 5,4 Milliarden sind nur "Nettokosten"

Der BER wird teurer als geplant. Das bestätigt jetzt auch der scheidende Geschäftsführer Hartmut Mehdorn. In den bisher geplanten Kosten von 5,4 Milliarden seien weder der Zeitverzug noch die Erweiterung oder die Zinsen enthalten.

Die Zeichen an der Wand - Hartmut Mehdorn prophezeit, dass der BER deutlich teurer wird als bisher geplant, und bestätigt so Tagesspiegel-Berichte aus den vergangenen Monaten.
Die Zeichen an der Wand - Hartmut Mehdorn prophezeit, dass der BER deutlich teurer wird als bisher geplant, und bestätigt so...Foto: Patrick Pleul/dpa

Wenige Tage, bevor er aus dem Amt scheidet, bestätigt Flughafen-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn: Die Baukosten des neuen Berliner Großflughafens BER werden noch einmal deutlich höher ausfallen als angenommen. Darüber hatte der Tagesspiegel im vergangenen Jahr berichtet. In der aktuell kursierenden Summe von 5,4 Milliarden Euro seien weder die Zinsen, der Finanzierungsaufwand noch die Flughafenerweiterung enthalten, sagte Mehdorn am Dienstag im Inforadio des Hessischen Rundfunks. "Das sind Nettokosten", fügte er hinzu.

Der Tagesspiegel hatte berichtet, dass weder Berlin noch Brandenburg, auch nicht der Bund oder die EU bisher grünes Licht für die geplanten Mehrkosten gegeben haben. Die Mehrkosten entstehen durch den Zeitverzug, die nötigen Erweiterungsinvestitionen, aber auch zur Finanzierung von Krediten. Bei der EU wurde vorsorglich gleich die Genehmigung für Beihilfen von 2,2 Milliarden Euro beantragt.

Die bei der Konzipierung des Flughafens veranschlagte Passagierzahl von 27 Millionen pro Jahr sei zudem viel zu niedrig, erklärte der 72-Jährige erneut. In wenigen Jahren werde die Zahl der Fluggäste bereits bei über 30 Millionen liegen. Mehdorn erneuerte deshalb seine Forderung, den neben dem BER gelegenen Flughafen Schönefeld auch nach Inbetriebnahme des neuen Airports weiter geöffnet zu halten.

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1.000 Tage ohne BER-Eröffnung – Besuch auf dem Pannenflughafen
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Mehdorn, der sein Amt als Vorsitzender der Flughafengesellschaft FBB am kommenden Montag nach rund zwei Jahren an seinen Nachfolger Karsten Mühlenfeld abgibt, kritisierte in dem Interview mit dem HR erneut den Aufsichtsrat des BER. Das aus Vertretern der Länder, des Bundes und der Arbeitnehmerseite bestehende Gremium behindere durch seine Haltung einen erfolgreichen Abschluss des Großprojektes. Aufsicht, die in Misstrauen umschlage, sei nicht mehr tauglich, um etwas voranzubringen. "In dieser Kultur bin ich der falsche Mann. Ich akzeptiere das nicht", sagte Mehdorn.

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