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Projektleiter in der Kritik : BER-Aufsichtsrat störte sich nicht an Promotion Körtgens

Für Verwunderung hat am Donnerstag die Nachricht gesorgt, dass der Chefplaner des Flughafens am Rande seiner Tätigkeit noch die Zeit hatte, zu promovieren. Die Verantwortlichen sahen darin aber offenbar kein Problem.

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Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung für das Flughafen-Desaster übernommen. Am 24.05.2013 wies er jedoch eine persönliche Verantwortung für die mehrfache Verschiebung des Eröffnungstermins im BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses von sich. Doch nun, Mitte Dezember ist sein Comeback als Aufsichtsrat sicher.Weitere Bilder anzeigen
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13.12.2013 10:52Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung...

Alle für den neuen Flughafen BER Verantwortlichen wussten von Anfang an, dass Manfred Körtgen, der für den Bau zuständige Geschäftsführer und Chefplaner, nebenbei an seiner Doktorarbeit schrieb. Das hat Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Freitagabend dem Tagesspiegel bestätigt. Wie berichtet, hatte Körtgen seine Doktorarbeit im Frühsommer 2010 fertiggestellt, als die Planer die Airport-Eröffnung, damals für Oktober 2011 vorgesehen, zum ersten Mal verschieben mussten. Ehe Körtgen 2004 angeheuert wurde, hatten Berlin, Brandenburg und der Bund als Gesellschafter des vorher ins Trudeln geratenen 2,4-Milliarden–Projektes lange vergeblich nach einem Baumanager gesucht. Dies könnte der Grund sein, dass man die Nebenbeschäftigung Körtgens (Jahresgehalt 230 000 Euro, Tantieme 45 000 Euro) in Kauf nahm.

In seiner schriftlichen Stellungnahme auf eine Reihe von Fragen verwies Platzeck darauf, dass der Aufsichtsrat nicht darüber informiert worden ist, dass der Tüv Rheinland für die abschließende Prüfung der Brandschutzanlage noch keinen Termin erhalten hatte. Auch habe es im März diesen Jahres keine Hinweise darauf gegeben, dass der Eröffnungstermin nicht zu halten sein werde. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), handhabt das anders: er schweigt. Fragen zur Promotion Körtgens bleiben genauso unbeantwortet wie andere Detailfragen zum BER-Desaster. Die Senatskanzlei verwies bei Anfragen an Wowereit, die seine Funktion als Aufsichtsratsmitglied betreffen, an die Flughafengesellschaft, aber auch dort gab es bis Redaktionsschluss keine Antworten.

So reagierten die Berliner und Brandenburger auf die Hiobsbotschaft:

Problem-BER: Reaktionen auf das Flughafen-Desaster
Aus Brandenburger Regierungskreisen hieß es, Matthias Platzeck und Klaus Wowereit seien "stinksauer" gewesen, als sie von der Verzögerung erfuhren. Beim Regierenden Bürgermeister machte sich eine gewisse Lynchstimmung breit. "Am besten wär's", sagt er, "wenn man gleich irgend jemanden hängen würde oder so." Zugleich versuchte er, dem Desaster eine positive Seite abzugewinnen: Jetzt bleibe Zeit, um auch den Schallschutz für die Anwohner voranzutreiben.Weitere Bilder anzeigen
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09.05.2012 11:35Aus Brandenburger Regierungskreisen hieß es, Matthias Platzeck und Klaus Wowereit seien "stinksauer" gewesen, als sie von der...

Auch beim dritten Gesellschafter des Flughafens, dem Bund, herrscht vornehme Zurückhaltung zu all den Fragen um die Promotion, den Brandschutz und mögliche Verzögerungen. Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und Mitglied im Aufsichtsrat, will sich zu Sitzungsinterna nicht äußern. Ein Sprecher sagte dem Tagesspiegel: „Natürlich gab es Hinweise auf zeitkritische Aspekte und Risiken. Es wurde den Anteilseignern seitens der Flughafengeschäftsführung jedoch stets versichert, dass diese rechtzeitig in den Griff zu bekommen sind und der Flughafen pünktlich am 3. Juni 2012 eröffnet werden kann.“ Staatssekretär Bomba habe in den Sitzungen, auch in der bisher letzten am 20. April 2012, ausdrücklich nachgefragt, ob der Starttermin 3. Juni 2012 zu halten sei. Der Bund sieht nun den Flughafen in der Pflicht. „Jetzt geht es darum zu klären: Warum und auf welcher Sachlage wurde die Entscheidung für eine Verschiebung des Starttermins getroffen und warum so spät? Wer trägt dafür die Verantwortung? Welcher Schaden entsteht dadurch? Wann kann eröffnet werden? Auf diese Fragen muss die Geschäftsführung des Flughafens Antworten liefern“, sagte der Ministeriumssprecher.

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