Berater : Auf sie hört der Regierende Bürgermeister

Michael Müller



Der Mann hält Wowereit den Rücken frei – in der Partei und in der Abgeordnetenhausfraktion. Beide kennen sich seit den 80er Jahren, als sie in Tempelhof noch Bezirkspolitik machten, und sind seitdem eng befreundet. Keiner fällt eine wichtige Entscheidung, ohne sie vorher mit dem anderen abzustimmen. Meistens per Telefon, auf kurzem Draht. Müller ist der geborene Moderator, der es bisher fast immer geschafft hat, die starke Linke und die neue Rechte in der Berliner SPD auf ein gemeinsames Regierungshandeln einzuschwören. Kein Intellektueller, aber ein gewitzter Macher.


Björn Böhning

Er übernahm Anfang 2007 das neue Grundsatz- und Planungsreferat im Roten Rathaus. Der 28-jährige Diplompolitologe, aufgewachsen in Lübeck, ist seit 2004 Bundesvorsitzender der Jungsozialisten und einer der wichtigsten Strategen der „Demokratischen Linken“ in der Bundespartei. Welche Partei kann die junge Generation am besten für sich gewinnen? Das ist eine der Fragen, die Böhning umtreibt. Er will eine SPD, die viel diskutiert, wieder attraktiv für junge Leute wird und den „Herausforderungen von morgen“ gewachsen ist. Böhning setzt auf wissenschaftliche Expertise – und deren Umsetzung in praktische Politik. Er hat exzellente Kontakte zur Bundespartei. Wenn er Wowereit was erklärt, hört der zu. Böhning hat vorher im Wissenschaftszentrum Berlin und in der Grundsatzabteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes gearbeitet. Er will noch was werden. Mit dem gleichaltrigen Rupert Stüwe, Bildungsexperte und Juso- Hochschulaktivist, hat Böhning inzwischen sein Planungsreferat verstärkt.


Michael Donnermeyer

Als der Inbegriff der Loyalität gilt der gebürtige Westfale. Er kann im Schlafe singen, was gut ist für seine Partei – und für Wowereit. Als Sprecher der Berliner SPD, der brandenburgischen Landtagsfraktion und des Bundesvorstands hat der 47-jährige Politikwissenschaftler und Ex-Journalist viel Kampferfahrung mitgebracht. Donnermeyer hat an maßgeblicher Stelle Wahlkampf für Gerhard Schröder gemacht, 1998 wechselte er als Pressereferent ins Bundesverkehrsministerium und hat mit seinem damaligen Arbeitgeber Franz Müntefering manches gemeinsam: Beide sind Sturköpfe – und bedingungslos sozialdemokratisch. Ursprünglich hieß es, Donnermeyer sei der Aufpasser der SPD in der Senatskanzlei. Falsch. Er ist der Getreue, der lieber schweigt, als auch nur einen Satz zu sagen, der dem Regierungschef schaden könnte. 2006 hat er zur Fußball-WM die Fanmeile mit Bravour gemanagt und bereitet jetzt mit Böhning die neue Marketing-Kampagne für Berlin vor.


Jessika Wischmeier

Das Organisationstalent leitet seit Mai 2007 Wowereits Büro. Aber die ehemalige Juso-Bundesgeschäftsführerin und Leiterin der SPD-Parteischule kann sehr viel mehr, als Terminkalender zu führen. Forschungs- und Technologiepolitik sind das Spezialthema der 42- jährigen Diplompädagogin, die in Mönchengladbach Abitur gemacht hat. Wischmeier ist nebenbei Geschäftsführerin des SPD-Wissenschaftsforums, in dessen Kuratorium unter anderen Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner sitzt. Inzwischen ist die Gestaltung der hauptstädtischen Wissenschafts- und Hochschullandschaft ja zur neuen Leidenschaft des Regierenden geworden. Auch Wischmeier ist wahlkampferprobt. 2002 saß sie im Kampa-Team für Schröder, und seit frühen Juso-Tagen hat sie ähnlich wie Böhning viel über den Dialog zwischen Jugend und Sozialdemokratie nachgedacht.


Christian Gaebler

Für Wowereit ist der 42-Jährige unentbehrlich, wenn es um die Bewältigung des politischen Alltags geht. Der Diplomingenieur und Verkehrsexperte, der die Geschäfte der SPD-Abgeordnetenhausfraktion führt, sitzt an der Nahtstelle zwischen Senat und Parlament. Und er kennt als Chef des großen Kreisverbands Charlottenburg-Wilmersdorf die Berliner SPD wie seine Westentasche. Gaebler betätigt sich gegenüber der Opposition auch gern mal als Wadenbeißer. Und selbstverständlich gehört er zur Parteilinken. Ein Mann für alle Fälle.


Barbara Kisseler

Sie ist eine eingefleischte Kulturpolitikerin. Und in dieser Funktion wurde die 57-jährige Theaterwissenschaftlerin auch 2003 nach Berlin geholt. Eine sozialdemokratische Staatssekretärin beim linken Kultursenator Thomas Flierl. In Bonn, Düsseldorf und Hannover war Kisseler vorher schon Kulturdezernentin. Mit sehr guten Kontakten zur künstlerischen Szene. Umtriebig, besonnen, verwaltungserfahren. Überraschend hat ihr Wowereit nach der Wahl 2006 den Chefposten in der Senatskanzlei angetragen. Den Job füllt sie seitdem recht geräuschlos und effektiv aus.


André Schmitz

Ihm gehört die Lufthoheit über die Berliner Kultur. Und entlastet damit Wowereit beträchtlich, der ja Regierender Kultursenator ist. Der 59-jährige Jurist, geboren in Oberhausen, hat früh seine Liebe fürs Theater entdeckt. Zuerst in Hamburg, dann in Hildesheim und Berlin. Mit dem Regierungschef ist Schmitz gut befreundet, ein loyaler, ideenreicher Manager und Berater in Sachen Berlin-Kultur. Bisher fast immer mit glücklicher Hand. Gebildet, kultiviert und diskussionsfreudig. Ein Diplomat in der Landespolitik mit besten Kontakten.


Jürgen Zöllner

Er hat schon mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck nächtelang über die Geschicke der Bildungs- und Landespolitik debattiert. Bei Rotwein und guten Essen. Seit der 62-jährige Zöllner in Berlin agiert, berät er Wowereit offenbar genauso sachkundig. So einer fehlte im Kabinett, ein väterlicher Intellektueller mit großer Ruhe, dem in der Hochschul- und Schulpolitik bundesweit kaum jemand etwas vormachen kann. Zöllner macht keinen Rabatz, er treibt seine Projekte unauffällig voran. Die neue Exzellenzinitiative für die Berliner Hochschulen ist auf seinem Mist gewachsen, die Schulpolitik ist ein viel mühsameres Geschäft. Aber Zöllner nimmt den Regierenden Bürgermeister mit. Das ist eine große Leistung, wenn man weiß, wie unendlich stur Klaus Wowereit sein kann. za

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