Berlin : Beraterverträge: BVG in der Klemme

Wirtschaftsausschuss prüft Vergabe beim Verkehrsunternehmen

Klaus Kurpjuweit

Das Aufsichtsgremium ist misstrauisch geworden: In einer Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses sollen jetzt Einzelheiten zu Beraterverträgen der BVG geklärt werden. Nach Angaben von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), der auch Aufsichtsratsvorsitzender bei der BVG ist, gab der Verkehrsbetrieb im vergangenen Jahr 9,4 Millionen Euro für Beraterleistungen aus. Offen ist aber noch ein Projekt mit einem Volumen von etwa 21 Millionen Euro. Der Vorstand hatte Anfang 2003 Banken aufgefordert, ein Konzept zu entwickeln, wie der geplante Personalabbau mit Krediten finanziert werden kann. Nach der Präsentation mehrerer Angebote entschied sich der Vorstand, mit dem Konsortium aus der Volksbank und der Beraterfirma Lexington weiter zu verhandeln. BVG-Chef Andreas von Arnim kennt Lexington gut. Vor seiner Tätigkeit bei der BVG arbeitete er mehrere Wochen für das Unternehmen – auch als Berater. Sollte der 21-Millionen-Euro-Auftrag nicht erteilt werden, stünde dem Konsortium eine Millionen-Abfindung zu, heißt es aus Kreisen des Konsortiums. Nach Tagesspiegel-Informationen will man sich darauf einigen, dass der umstrittene Auftrag nicht vergeben wird, das Konsortium aber andere Aufträge erhält.

Die Bandbreite ist umfassend. Im vergangenen Jahr ließ sich die BVG unter anderem für die „Strategieentwicklung für das neue Kommunikationsmanagement“ (Volumen knapp 100000 Euro) ebenso beraten wie für eine „Machbarkeitsstudie zur Integration des Telebusses“ (60000 Euro) oder für das „Direktmarketing von Neukunden“ (112000 Euro). Eine Beratung im Zusammenhang mit einer Beteiligung an tschechischen Verkehrsbetrieben war der BVG knapp 40000 Euro wert, und für ein „innovatives Tarifkonzept“ gab sie 355 600 Euro aus. Insgesamt sind 107 Beratungsleistungen für 2003 aufgeführt.

Intern gibt es Zweifel, ob alle Leistungen erforderlich waren und sind. Besonders umstritten ist dabei ein Vertrag, den von Arnim kurz vor Jahresende mit dem Ex-Vorstandsmitglied der Bahn, Horst Föhr, abgeschlossen hat. Föhr soll „Leistungen zur Unterstützung der Vorstände der BVG im laufenden Restrukturierungsprozess, insbesondere in Fragen der personellen Restrukturierung, erbringen“. Honorar für 20 Beratungstage: 58000 Euro. „Dafür muss ein Busfahrer eineinhalb Jahre arbeiten“, sagte ein Mitarbeiter. Wenn er darf. Die BVG will sich von einem Großteil ihrer Mitarbeiter trennen. Bei der Fahrtochter Berlin Transport (BT) wurden die ersten Mitarbeiter auf die Straße gesetzt. Immerhin sollen auch Beraterleistungen eingeschränkt werden.

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