Berlin : Bereit fürs zweite Sommermärchen

Am Dienstag öffnet die Fanmeile am Brandenburger Tor – mit der größten Leinwand Europas

Christoph Stollowsky

Die Begeisterung kennt keine Grenzen. Selbst aufs Vordach der Kaiser-Wilhelm-Gedächniskirche und auf den Wasserklops kletterten fahnenschwingende junge Leute, um an Ku’damm und Tauentzien den Einzug Deutschlands ins EM-Halbfinale zu feiern. Rund 14 000 Menschen strömten am Donnerstagnacht auf Berlins inoffizieller Fanmeile zusammen, die gewiss auch Freitagabend wieder von Türken oder Kroaten im Siegestaumel gestürmt wird. Doch ab kommendem Dienstag haben alle Fans noch eine Alternative: Dann können sie sich bis zum Endspiel am 29. Juni auch auf Berlins offizieller EM-Fanmeile auf der Straße des 17. Juni treffen. Drei Großbildleinwände werden ab Sonntag zwischen Brandenburger Tor und Yitzhak-Rabin-Straße, der früheren Entlastungsstraße, aufgebaut – darunter Europas größte mobile Projektionswand mit 80 Quadratmetern Fläche.

„Eine Woche Fußball total,“ lautet das Motto der Fanmeile. „Die Stimmung soll wieder so toll sein wie auf der Berliner WM-Meile im Sommer 2006“, sagt Michael Wirtz von der Veranstaltungsagentur „Wohlthat Entertainment“. Seine Firma organisiert die „Mega EM-Party“ zusammen mit der Agentur von Willy Kausch, die Berlins Silvester-Feste am Tor ausrichtete.

Rund 600 Helfer sollen ab Sonntag früh anpacken, damit bis zur Eröffnung am Dienstag um 10 Uhr alles fix und fertig aufgebaut ist. Das Spielgeschehen haben die Besucher dann beim nächsten Match der deutschen Nationalmannschaft am Mittwochabend überall im Blick. Denn neben dem Mega-Bildschirm für die TV-Übertragung in der Mitte der Fanmeile gibt es zwei weitere Großbildflächen auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor und am westlichen Ende des Partygeländes. Dazwischen entsteht eine Budenstadt, zum Programm gehören Talkshows, Parties und Auftritte „populärer Sänger“. Wer kommt, wollen die Veranstalter erst am Montag bekanntgeben.

Als Hauptsponsor haben sie Coca-Cola gewonnen. Seither sei die Finanzierung gesichert. Und über den Erfolg der Meile machen sie sich seit dem deutschen Sieg über Portugals Elf keine Gedanken mehr. Bis zum Endspiel werden am Tor 500 000 Menschen erwartet.

„Wenigstens von den letzten drei Spielen gehen dann auch wieder Bilder von einer Megaparty in Berlin rund um die Welt“, freut sich Natascha Kompatzky von der „Berlin Tourismus Marketing GmbH“. Bislang schauten Berlins Tourismuswerber seit dem EM-Start neidisch nach Hamburg und Köln, denn dort gibt es schon vom ersten Anpfiff an offizielle Fantreffs. 32 000 Fans waren am Donnerstag rund um die „Kölnarena“ versammelt, auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg bejubelten 35 000 die drei deutschen Tore.

Wäre es nach den Berliner Veranstaltern gegangen, hätten sie die Fanmeile am Tor ebenfalls für drei Wochen aufgebaut und bis zur Siegessäule verlängert. Doch der Senat lehnte das ab: Der Verkehr würde „zu stark beeinträchtigt.“ Außerdem sei eine EM weniger attraktiv als eine Weltmeisterschaft. Das haben die Berliner in den vergangenen Tagen allerdings widerlegt. „Public viewing“-Treffs wie die Arena oder Kulturbrauerei mussten sogar viele Schaulustige abweisen. Viele Kneipen sind rappelvoll, ihre Wirte sind die ersten EM-Gewinner. Und die Nachbarschaft der vielen Nationen in Berlin heizt das Fußballfieber noch an – und bietet Bilder wie zuletzt am Ku’damm: Viele türkisch- und arabischstämmige Jugendliche feierten ausgelassen und in Schwarz-Rot-Gold gehüllt.

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