Bergfunk-Festival in Königs Wusterhausen : KW macht Welle

Von einem Hügel bei Königs Wusterhausen wurde einst das erste Rundfunkkonzert Deutschlands übertragen. Bald spielt die Musik wieder hier – beim Bergfunk-Festival. Organisiert wird es von einer jungen, bunten Truppe aus der Region.

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Außer Rand und Band: Wo Radiopioniere vor rund hundert Jahren Rundfunkgeschichte schrieben, feiern seit 2009 einmal jährlich Musikfans ihre Lieblingsbands auf dem Funkerberg.
Außer Rand und Band: Wo Radiopioniere vor rund hundert Jahren Rundfunkgeschichte schrieben, feiern seit 2009 einmal jährlich...Foto: Stefan Anker/promo

Eigentlich ist Antonia May zurückhaltend und bescheiden. Doch wenn es um das Bergfunk-Festival in Königs Wusterhausen geht, liegt eine gewisse Portion Pathos in ihrer Stimme. „Ohne uns wäre KW kulturell tot“, sagt die 25-Jährige, die bei dem Musikfestival für Marketing und Dekoration zuständig ist, „Vor allem für die jungen Leute gibt es hier sonst eigentlich nichts“, sagt die Studentin, die hier aufgewachsen ist, aber in Berlin wohnt.

Gemeinsam mit Freunden organisiert May seit 2008 das Festival auf dem Funkerberg. Am 21. und 22. August ist es wieder so weit: Mit der Hamburger Rap-Kapelle Neonschwarz und der Punkband Massendefekt hat das Open-Air Größen der Indie-Szene zu bieten. Die Bands werden – außer mit Gagen – mit dem Charme des Selbstorganisierten und der Location hierher gelockt. „Auf dem von Wäldern umgebenen Berg stehen alte Transistoren, die Gebäude sind im Industrie-Schick der 1920er Jahre“, sagt May.

Es wurde sogar Rundfunk-Geschichte geschrieben: Auf dem Berg steht das erste Sendehaus Deutschlands, 1920 fand die historisch erste Übertragung eines Weihnachtskonzertes statt. Seit dem offiziellen Sendeschluss 1992 sind die Anlagen – abgesehen von Führungen durch einen Verein von Hobby-Funkern – weitgehend ungenutzt. May und der Verein „Stubenrausch“ bringen Musik und Menschen auf den Berg.

Von den Grillspießen bis zum Bühnenaufbau organisiert der Verein das gesamte Festival selbst. „Bergfunk ist eine Herzensangelegenheit“, sagt Thea Spinola, die seit 2009 dabei und Vorstandsmitglied ist. Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich und stellen trotzdem jedes Jahr eine erstaunlich professionelle Veranstaltung auf die Beine. Auch von der Politik kommt Anerkennung. „Der Bergfunk ist für Königs Wusterhausen ein Leuchtturm, ein Erkennungszeichen nach außen mit starker Anziehungskraft“, lobt Bürgermeister Lutz Franzke.

Ein Reinfall mit Blumentopf und Alphaville

Improvisation ist alles: Antonia May (2.v.l.) gehört zu den Organisatoren des Bergfunk-Musikfestivals bei Königs Wusterhausen.
Improvisation ist alles: Antonia May (2.v.l.) gehört zu den Organisatoren des Bergfunk-Musikfestivals bei Königs Wusterhausen.Foto: Stephan Paul/promo

Obwohl die Stadt und eine Vielzahl örtlicher Sponsoren den Verein unterstützen, drohte dem ‚Bergfunk‘ vor drei Jahren der Ruin. „2012 haben wir auf dicke Hose gemacht und saßen dann auf mehr als 31.000 Euro Miesen“, erinnert sich May. Damals hatten die Organisatoren bekannte Bands wie Blumentopf, Alphaville, Keimzeit und Pohlmann gebucht, aber die vermeintlichen Publikumsmagnete zogen zu wenige Menschen an: Statt der eingeplanten 1500 Besucher waren es nur rund 600. Viele Leute hätten einfach nicht geglaubt, dass eine Band wie Alphaville in KW auftritt. „Das Marketing war damals einfach schlecht. Wir haben beispielsweise an der Penny-Kasse Werbung gemacht und die Reaktion war meistens: ,Wollt ihr uns verarschen? Die spielen doch nicht bei uns auf dem Berg in KW‘“, erinnert sich die Studentin. Nur dank einer überaus erfolgreichen Spendenaktion mit dem Namen „Bergfunkretter“ habe das Festival überlebt.

2013 habe man das Festival „gesundschrumpfen“ können, im Folgejahr erreichte die Truppe dann die angestrebte schwarze Null. „Wir haben aber auch gar nicht den Anspruch, Geld zu verdienen“, sagt May. Sie ist zufrieden, wenn der Berg einmal im Jahr bebt und die Kultur in KW lebt.

Ein Kombiticket für beide Festivaltage kostet 19,90 Euro. Ein Shuttle-Service vom Bahnhof Königs Wusterhausen an der S 46 zum Festivalgelände wird angeboten. Weitere Informationen unter www.bergfunk-openair.de.

Der Verein "Stubenrausch" hat zu diesem Artikel eine Stellungsnahme veröffentlicht. Diese können Sie hier nachlesen.

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