Berlin : Berggruen enthüllt Berggruen Neues Ehrenbürger-Porträt im Abgeordnetenhaus

Sabine Beikler

Vorsichtig zieht Heinz Berggruen das weiße Tuch vom Gemälde und schaut es ein paar Sekunden an. Er geht näher an das Bild heran. Im Festsaal des Abgeordnetenhauses ist es mucksmäuschenstill. Dann dreht sich der berühmte Kunstsammler um und sagt mit einem Lächeln: „Ich wollte sicher sein, dass es dasselbe Bild ist, was er gemalt hat.“

Die Gäste lachen mit ihm, dem 114. Ehrenbürger Berlins, der soeben am Freitag sein eigenes Porträt enthüllt hat. „Sehr zu meiner Zufriedenheit“ habe ihn der Stuttgarter Maler Jürgen Leippert porträtiert. Nur über die Stilrichtung des 80 mal 60 großen Ölgemäldes, das bald in der Ehrenbürgergalerie im Preußischen Landtag hängen wird, sind sie sich offenbar uneins. Herr Berggruen findet sich „impressionistisch“ gemalt, Herr Leippert sieht seine Pinselstriche in der Tradition des „expressionistischen Realismus“.

Wie schon anlässlich seiner Ernennung zum Ehrenbürger im Juni dieses Jahres bedankt sich Heinz Berggruen mit warmen Worten. Zum ersten Mal werde ein Bild nicht von ihm aufgehängt, sondern er selbst werde im Bild „in allerbeste Gesellschaft gehängt“. Die Enthüllung des Porträts sei das „sympathischste Privileg“ eines Ehrenbürgers. Parlamentspräsident Walter Momper bedankt sich bei ihm als einen der „treuesten Söhne dieser Stadt“.

Vor acht Jahren kehrte der 1914 geborene Sohn eines jüdischen Schreibwarenhändlers in Wilmersdorf mit 113 Meisterwerken im Gepäck nach jahrzehntelangem Aufenthalt in Paris wieder nach Berlin zurück. Im Jahr 2000 hatte er seine bedeutende Kunstsammlung mit Werken von Picasso, Klee, Cézanne oder Van Gogh an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben. Seitdem haben mehr als acht Millionen Menschen die Sammlung im Stülerbau besucht. Dort hat auch Heinz Berggruen eine Wohnung. Wenn er, der erste jüdische Heimkehrer, dem Berlin die Ehrenbürgerwürde verliehen hat, sich dafür bei seiner Heimatstadt bedankt, wirkt er genauso unprätentiös, wie wenn er mit Museumsgästen über einen Picasso spricht.

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