Bericht an Senat übergeben : Familien fordern bezahlbare Wohnungen

Die Familienfreundlichkeit einer Stadt ist zunehmend ein Standortfaktor. Am Mittwoch wurde der Familienbericht an den Senat übergeben. Eltern wollen auch eine flexiblere Kinderbetreuung, bessere Bildungschancen und ein breites Freizeitangebot.

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Kinder wollen hoch hinaus. Gute Bildungs- und Freizeitangebote sind Berliner Eltern wichtig. Foto: Kai-Uwe Heinrich Foto: ddp
Kinder wollen hoch hinaus. Gute Bildungs- und Freizeitangebote sind Berliner Eltern wichtig. Foto: Kai-Uwe HeinrichFoto: ddp

„Für Arbeitnehmer ist wichtig, wie sich in einer Stadt Familie und Beruf vereinbaren lassen“, sagte der Vorsitzende des Berliner Familienbeirats, Peter Ruhenstroth- Bauer, gestern bei der Übergabe des Familienberichts an den Regierenden Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD). Hier wünschten sich Berliner Eltern noch bessere Bedingungen als bisher. Auch wenn Berlin bereits ein vor allem quantitativ gutes Angebot an Kinderbetreuung hat, müssten beispielsweise die Öffnungszeiten der Kitas und Horte noch stärker an den Arbeitszeiten ausgerichtet werden, sagte Rechtsanwalt Ruhenstroth-Bauer. Und das Land Berlin müsse zudem als Arbeitgeber eine Vorbildfunktion haben und familienfreundliche Beschäftigungsmodelle anbieten. In Berlin leben knapp 314 000 Familien mit rund 411 000 Kindern. Der Beirat, ein unabhängiges Gremium, dem Vertreter von Verbänden und Parteien angehören, hat den Bericht in den vergangenen drei Jahren im Auftrag des Senats erarbeitet.

Laut dem Bericht gaben Familien an, Berlin sei zwar familienpolitisch auf gutem Weg, sie wünschten sich aber Verbesserungen beim Angebot an bezahlbaren Wohnungen, bei den Verkehrsanbindungen sowie bei Spiel- und Freizeitangeboten. Auch die Sauberkeit im öffentlichen Raum wurde häufig kritisiert. Besonders umfangreich fallen die Empfehlungen des Beirats zur Armutsbekämpfung aus – einem dringenden Thema, wie die jüngsten Daten des Sozialberichts des Senats zeigen. Vor allem in den Problemkiezen der Stadt wächst die Zahl der Kinder, die in Armut aufwachsen, stetig an. Betroffen sind sowohl Migranten wie auch Jungen und Mädchen aus deutschstämmigen Familien. Wichtig ist dem Bericht zufolge, die Bildungschancen der Kinder zu verbessern. Dies sei „eine entscheidende Grundlage zur Armutsvermeidung“. In diesem Zusammenhang äußert der Beirat auch Kritik: „Die Situation an Berliner Schulen trägt nicht dazu bei, die Probleme, die sich in bildungsfernen Elternhäusern kumulieren, zu entschärfen.“

Ruhenstroth-Bauer fordert zudem, die Informationsangebote für Eltern einfacher zu gestalten. Sinnvoll sei etwa, im Internet ein Portal aufzubauen. Zunehmend wichtig werde für Familien, wie sich Pflege und Beruf verbinden lassen, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Denn es gehe bei Familie nicht nur um die Belange von Kindern, sondern auch von älteren Angehörigen. Auch Ruhenstroth-Bauer sieht hier angesichts der demografischen Entwicklungen großen Handlungsbedarf.

Den politischen Akteuren kommt die Veröffentlichung des Berichts gerade recht. Erst amWochenende hatte die SPD angekündigt, Familie zum Thema des kommenden Wahlkampfes für die Abgeordnetenhauswahl im September zu machen. Und der Senat will zuvor noch eine Kampagne unter dem Motto „Be Berlin – Stadt der Kinder und Familien“ starten. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) verwies darauf, dass der Senat rund 1,1 Milliarde Euro im Jahr für Familienpolitik aufwende – davon entfallen knapp 980 Millionen Euro auf das Kita-Angebot. FDP-Familienexpertin Mieke Senftleben, die selber im Beirat aktiv war, sieht allerdings die Politik des Senats für die Zukunft nicht gut aufgestellt. Schon jetzt sei absehbar, dass künftig Erzieherinnen fehlten und es nicht genügend Plätze für die unter Dreijährigen gebe.

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