• Berlin 2030 - Unsere Serie blickt in die Zukunft (8 und Schluss): Damit Berlin nicht alt aussieht

„Wir brauchen eine andere Steuerpolitik“

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Berlin 2030 - Unsere Serie blickt in die Zukunft (8 und Schluss) : Damit Berlin nicht alt aussieht
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Genauso brauche man Programme für den sozialen Wohnungsbau. Ulrich Schneider geht davon aus, dass die Landesregierung die sozialen Herausforderungen nicht alleine wird stemmen können. „Wir brauchen eine andere Steuerpolitik“, sagt Schneider. Denn auch die Infrastruktur muss stimmen. Vor allem die Bildungseinrichtungen für Kinder und Einrichtungen für die präventive Jugendarbeit. „In keinem Bereich muss man mehr um Gelder kämpfen als bei der Jugend- und Kinderarbeit. Es scheint leichter, das Stadtschloss wieder aufzubauen, als ein Jugendzentrum zu renovieren“, sagt Schneider.

Für die Soziologin Solga ist Bildung eine Grundvoraussetzung für eine soziale Stadt. Sie plädiert dafür, nicht nur auf den Unterricht zu schauen, sondern auch Bildungsangebote für Eltern oder Nachmittagsangebote für die Schüler zu schaffen. Als Vorbild nennt sie den Rütli-Campus. Vor wenigen Jahren noch war die Neuköllner Schule Symbol für das Versagen der Hauptschule und das Zurücklassen von Kindern – hauptsächlich mit Migrationshintergrund. Jetzt trägt der Campus Rütli, auf dem es Kitas, Jugendeinrichtungen und eine Schule von der ersten bis letzten Klasse gibt, sogar zur Stabilisierung eines Kiezes bei.

Dilemma Rütli-Schule: Alteingesessene Kolonie muss weichen
Die Kleingartenkolonie "Hand in Hand" in Neukölln wird abgerissen. Sie steht der Erweiterung des Rütli-Campus im Weg. Keinem Investorentraum, keiner Touristenherberge wie sonst so oft im neuen Berlin. Einfach einer Schule, in der Kinder eine Chance bekommen sollen - aber auch einem Prestigeprojekt des Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky, der gerade mit seinem integrationskritischen Buch "Neukölln ist überall" in die Öffentlichkeit drängte. Eine Fotoreportage - samt einiger Grafiken.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: Kitty Kleist-Heinrich
02.10.2012 18:35Die Kleingartenkolonie "Hand in Hand" in Neukölln wird abgerissen. Sie steht der Erweiterung des Rütli-Campus im Weg. Keinem...

Die Plätze an der Schule sind wieder begehrt. In Ghettos am Stadtrand werde es für die Schulen immer schwerer, ihren Bildungsauftrag zu erfüllen. Auch die Wissenschaftlerin sieht Schwierigkeiten der Finanzierung und plädiert für eine Umverteilung. „Ich hätte nichts dagegen, wenn es bei der Kultur weniger Subventionen gäbe“, sagt sie. Selbst wenn ein Ticket für Theater oder Museen dann wesentlich teurer würde: „Das Bildungsbürgertum geht weiter in die Oper.“

Mit Bildung im herkömmlichen Sinn ist es für Ulrich Schneider nicht getan. Kinder könnten nur vernünftig lernen, wenn sie in einem stabilen Umfeld leben. Aus diesem Grund müsse es zukünftig genügend öffentlich geförderte Jobs geben. Viele langzeitarbeitslose Eltern könnten aber nicht von Stellen profitieren, die durch Firmengründungen entstehen. „Man kann nicht von Chancengleichheit der Kinder reden, wenn es keine Beschäftigung für Eltern gibt. Das ist Heuchelei oder zynisch“, sagt Schneider. Eine Sorge zumindest muss sich Berlin nicht machen:  „Uns gehen die Kinder wegen der Zuzügler nicht aus“, sagt Solga.

Beide Experten erkennen ein weiteres Feld, auf dem es erhebliche Veränderungen geben wird. In der Stadt werden deutlich mehr ältere und alte Menschen leben. Schon jetzt gibt es einen Zuzug der so genannten jungen Alten, also Menschen, die sich nach dem Ende des Berufslebens entschließen, in die Metropole zu kommen. Sie lockt das kulturelle Angebot und das großstädtische Leben. Dabei handelt es sich oft um vergleichsweise wohlhabende Akademiker. Aber 2030 werden diese derzeit jungen Alten richtig alt sein und die notwendige medizinische und pflegerische Infrastruktur brauchen. Dies hat auch Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) als Handlungsfeld erkannt.

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Aufstehen gegen Armut

Gleichzeitig wird die Altersarmut zunehmen. Nach Schneiders Einschätzung wird dies ab 2025 zum Problem. „Dann kommen die Langzeitarbeitslosen ins Rentenalter“, sagt Schneider. Die Zahl der Rentner, die auf Grundsicherung angewiesen seien, wird sich Schätzungen zufolge bis dahin mehr als verdreifachen. In Berlin ist auch die Zahl der Singlehaushalte in dieser Altersgruppe besonders groß. „Aber noch haben wir die Zeit gegenzusteuern“, sagt Schneider. Anders als bei der Kinderarmut ist er bei den Senioren optimistisch. Denn die Alten haben ein Druckmittel: das Wahlrecht.

Die Hauptstadtregion, ihre Chancen, ihre Herausforderungen - Unsere Serie "Berlin 2030" blickt in die Zukunft.

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