Berlin bellt (2) : Gesucht: Der ideale Stadthund

Welche Rasse ist handlich, supergelehrsam und immer zahm? Keine einzige. Wichtiger, sagen Trainer und Tierschützer, ist: Was kann der Halter bieten?

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Die Studie des US-Forschers Stanley Coren kennt einen klaren Sieger: Von allen getesteten Hunderassen ist der Border Collie der Schlaueste.Weitere Bilder anzeigen
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02.08.2012 18:49Die Studie des US-Forschers Stanley Coren kennt einen klaren Sieger: Von allen getesteten Hunderassen ist der Border Collie der...

Im Auslaufgebiet ist mal wieder großer Hundetreff. Noch ein paar Schritte bis zur Lichtung im Grunewald. Gebell in allen Stimmlagen, Winzlinge neben größeren Schnauzen, alle stehen schwanzwedelnd neben Frauchen und Herrchen. „Diese ganze Hunderunde ist in Berlin zu Hause – und kann sich in der Stadt durchaus wohlfühlen“, sagt Hundetrainerin Heike Skarupa. Sie arbeitet seit 2000 für die Hundeschule Lucky Dog, gibt gerade eine Unterrichtsstunde und widerspricht der verbreiteten Ansicht, in die Stadt passten generell nur kleine Hunde. „Wer als Städter einen geeigneten Hund sucht, sollte nicht zuallererst auf Rasse oder Größe schauen“, rät sie. Wichtiger sei es, sich zu fragen: Was brauchen fast alle Hunde zum Glücklichsein? Und: Was kann ich dem Tier bieten?

Auslauf. Hunde brauchen ausreichend Bewegung, kleine Terrier wollen oft genauso viel rennen wie Riesenschnauzer.

Herausforderung. Hunde müssen ständig gefordert werden – mit Spielen, abwechslungsreichen Benimm-Übungen, die den Besuch einer Hundeschule voraussetzen.

Gesellschaft. Die Tiere sollten ins Familienleben, in den Alltag integriert sein.

Der Wohlfühl-Faktor hängt also weniger vom Wohnort als vom Lebensstil und der Zuwendung fürs Tier ab. Es gibt keine typische Stadtrasse. Ein Schäferhund in einer Citywohnung mag deplatziert wirken, aber lässt ihn sein Besitzer täglich drei Stunden ein Stück weit draußen von der Leine, wird er ausgeglichener sein als ein Rassegenosse auf dem Land, der nur am Gartenzaun entlangstreunen darf. Allerdings sollte man auch bedenken, dass mit wachsender Schulterhöhe auch die im Plastikbeutel wegzuräumenden Hundehaufen größer werden. Ein Fellriese wird im U-Bahn-Gedrängel zum Stressfaktor. Und es macht keinen Spaß, einen großen Hund, wenn er mal krank ist, vier Treppen hinaufzutragen.

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Hundeauslaufgebiet im Grunewald
Hundeauslaufgebiet im Grunewald

Ein bis zwei Stunden Auslauf täglich seien das Minimum, sagen Tierschützer. Abstriche sind möglich, doch viele Halter schaffen nicht mal das Minimalprogramm. Es reicht nicht aus, einen Hund angeleint auszuführen. Große Auslaufgebiete sind oft weiter entfernt. Hinzu kommt, dass ein Stadthund konsequent erzogen werden muss, damit man entspannt mit ihm unterwegs sein kann.

Hundetrainerin Heike Skarupa findet es wichtig, dass alle Familienmitglieder den Vierbeiner mitbetreuen wollen – denn ein Stadthund braucht Gesellschaft und Geselligkeit. Ist das nicht gewährleistet, sollte man auf den Hund verzichten.

Wer geprüft hat, dass er die Grundbedürfnisse eines Hundes erfüllen kann, bekommt zum Beispiel weiteren Rat beim Verband für das Deutsche Hundewesen Berlin (VDH) oder beim Tierheim Berlin. Wer wissen möchte, welche Rasse am besten zu ihm passt, kann sich auch auf der VDH-Website informieren. Der Verband empfiehlt als leicht erziehbare und verspielte Typen unter anderem Pudel, Beagle oder den Pyrenäen-Schäferhund. Nicht übermäßig Zeit zum Gassigehen? Da passen Französische Bulldogge oder Schoßhunderassen. Die verkraften auch mal einen Tag im Körbchen.

Mehr Infos: Hundeverein VDH, www.vdh-bb.de und Tierschutzverein Berlin, www.tierschutz-berlin.de

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