Berlin-Besuch : Dem Kandidaten auf der Spur

Heute ist Obama in Berlin und es stellen sich Fragen: Ist er groß? Ist er klein? Hat er Stil? Es wird schwierig, Barack Obama aus der Nähe zu sehen. Ein paar Möglichkeiten gibt es dennoch. Wo er wohnt, wo er Auftritt und wo man ihn sehen kann.

Obamas Berlin-Besuch
Seine Fans. Seit Tagen verteilen Obamas Anhänger Flyer für die Show an der Siegessäule. -Foto: ddp

9 UHR, ANFLUG AUF DEUTSCHLAND



Barack Obama, 46, hat Jerusalem verlassen und nähert sich deutschem Luftraum. „Obama One“ wird seine gecharterte Boing 757 genannt, in Anspielung an die „Airforce One“ des US-Präsidenten. Sie wurde 2000 gebaut, gehört einer Leasingfirma in Los Angeles. Hinten, in der Economy Class, sitzen Journalisten; davor Obamas Mitarbeiter – Redenschreiber, Sicherheitschef, außenpolitischer Sprecher – und vorn in der schicken 1.-Klasse-Kabine himself: Barack Obama.


10.05 UHR, KURT-SCHUMACHER-DAMM

„Obama One“ setzt zur Landung in Tegel an, sie ist leicht zu erkennen: Die Boing ist weiß lackiert, die Turbinen dunkelblau, über den Fenster steht: „Change – we can believe in“, was so viel heißt wie: „Veränderung, an die wir glauben können“. Auf dem Heck ist eine aufgehende Sonne vor US-Flagge zu sehen – Obamas Logo. Flugzeugfans haben sich längst mit ihren Kameras postiert. Wo? Am Einkaufszentrum am Kurt-Schumacher-Damm, sagen Szenekenner, „weil die Flugzeuge da immer fast das Parkdeck streifen“.


10.10 UHR, FLUGHAFEN TEGEL

Die Maschine hält auf dem Militärairport, also im nördlichen Sektor, der einst der französischen Armee in West-Berlin gehörte. „Obama One“ wird neben dem Airbus A300 von Nuri al Maliki abgestellt, dem irakischen Ministerpräsidenten. „Irak“ steht da vorn am Heck. Die Chancen stehen schlecht, von der Besucherterrasse am Terminal überhaupt etwas zu erkennen.


10.20 UHR, IM AUTO NACH MITTE

In gepanzerten Limousinen, die aus dem Fuhrpark des Berliner Landeskriminalamtes stammen, geht’s in die Innenstadt. Die Polizei sperrt die Kreuzungen. Anders als beim Bush-Besuch 2002 hängen diesmal wohl keine Scharfschützen mit Maschinengewehren aus den Schiebedächern. Zwei Routen nehmen Staatsgäste in der Regel: Einmal über den Tegeler Weg am Schloss Charlottenburg vorbei auf die Straße des 17. Juni – die aber für ihn selbst gesperrt ist. Die zweite Strecke führt durch Alt-Moabit, am Innenministerium vorbei. Oder er nimmt einfach in Tegel einen Hubschrauber der Luftwaffe.


11 UHR, KANZLERAMT

Einen Hubschrauberlandeplatz hat das Kanzleramt nämlich, hinten im großen Garten, direkt neben der „Wohnschlange“. Obama müsste dann durch den Kanzlerpark laufen und die Spree über eine Brücke queren. Kommt er mit dem Auto, parken die Wagen am Haupteingang – der ist direkt an der Spree. Wer am Ufer im Biergarten des „Zollpackhofes“ sitzt, könnte einen Blick auf Obama und Merkel erhaschen. Das Wetter soll mitspielen: Sonnig, 28 Grad. Die Fotografen und Kamerateams warten im Kanzleramt. Es ist Zeit für ein offizielles Foto mit der Kanzlerin: Händeschütteln, Lächeln.


14 UHR, WERDERSCHER MARKT

Obama wird im Auswärtigen Amt erwartet, am Werderschen Markt. Begrüßt wird er von Frank-Walter Steinmeier (SPD). Die Route dahin ist geheim. Die Polizei wird die Kolonne abschotten – die Straße wird temporär gesperrt.


15.30 UHR, PARISER PLATZ

Endlich eine Dusche? Noch nicht. Obama ist zwar jetzt im „Hotel Adlon“ am Pariser Platz – unten im Foyer wartet aber schon der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Ins Hotel kommt kein Neugieriger, das Bundeskriminalamt schirmt es ab. Vielleicht kommt Obama ja raus, um Hände zu schütteln.


16 UHR, HOTEL ADLON

Die Fanmeile wird geöffnet, Obama zieht sich hingegen in sein Hotelzimmer zurück, bespricht sich mit seinen Beratern. Vielleicht noch einen Abstecher zum Rotes Rathaus, Flughafen Tempelhof oder Checkpoint Charlie? Wohl kaum. Davon ist längst keine Rede mehr. Keine Zeit.


18.40 UHR, AUF ZUR FANMEILE

Die Kolonne macht sich auf den Weg zur Siegessäule. Gar nicht so einfach, schließlich ist die Straße des 17. Juni gesperrt. Ein Polizeihubschrauber am Himmel gibt die Eckdaten durch: Wo sind Menschenmassen? Demonstranten? Wo ist Stau? Ein Unfall? Erst Minuten vorher wird festgelegt, wo Obama langfahren darf. Im Süden durch die Tiergartenstraße? Oder nimmt er schnell die Route durch den Norden gen Siegessäule – am Haus der Kulturen der Welt und am Bundespräsidialamt entlang?


19 UHR, SIEGESSÄULE

Der Kandidat betritt die Bühne. Wie viele Zuschauer kommen, weiß keiner – wie viele deutsche Fernsehsender live übertragen, schon: Phoenix, ntv, N24, ARD. Gegen 19.45 Uhr wird die Rede vorbei sein.


20 UHR, ABENDESSEN

Der private Teil des Besuchs beginnt. Vielleicht trifft sich der Kandidat mit dem US-Botschafter oder besucht das Holocaust- Mahnmal. Als Bush 2002 hier war, traf er sich mit Wowereit und Kanzler Schröder im „Tucher“ am Pariser Platz. Es gab Apfelstrudel und Currywurst.


8.45 UHR, FLUGHAFENTRANSFER

Nach dem Frühsport – Clinton joggte 1994 mit 15 Leibwächtern durch den Tiergarten – geht es durch den Berufsverkehr zum Flughafen Tegel. „Obama One“ wartet schon in der Morgensonne. Bedankt sich Obama auch so nett wie Bush bei den Berliner Polizisten? Um 9.30 Uhr startet die Maschine nach Paris. AG/-du/Ha

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