Berlin bietet Alternative zu belegten Turnhallen : Sportunterricht im Freizeitcenter

Viele Turnhallen in Berlin sind mit Flüchtlingen belegt, der Unterricht fällt aus. Damit Kinder Sport treiben können, dürfen sie in Freizeitzentren ausweichen.

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Flüchtlinge in einer Sporthalle.
Flüchtlinge in einer Sporthalle.Foto: Thilo Rückeis

Wahrscheinlich kommt bald ein Olympiasieger in den Sportunterricht. Schüler können dann studieren, wie sich Robert Harting, der Goldmedaillengewinner von London 2012, aufwärmt. Oder die Schüler hüpfen in einer Trampolinhalle zu einem Basketballkorb und versenken den Ball im Netz. Oder sie kraxeln in einer Kletterhalle an den Griffen hoch. So wird der Sportunterricht bei bestimmten Schulen in den nächsten Monaten aussehen. Bei jenen Lehranstalten, deren Hallen mit Flüchtlingen belegt sind.

Für sie und ihre Schüler gibt es seit Montag das „Bündnis für den Schulsport“. Sandra Scheeres (SPD), die Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft, sagt: „Wir wollen betroffene Schulen entlasten, wir wollen, dass so viel Sport wie möglich angeboten werden kann.“ Dass Stunden stattfinden, die sonst möglicherweise ausfallen würden. 30 Sporthallen auf Schulstandorten sind derzeit mit Flüchtlingen belegt, rund 10.000 Schüler sind insgesamt von der Flüchtlingssituation betroffen.

Wasserksi-Laufen statt Turnen an Ringen

Ihnen werden jetzt Alternativen zum Turnhallen-Sport angeboten: vom Badminton und Stabhochsprung im Olympiapark bis zum Wasserski-Laufen, alles dabei. Der Berliner Leichtathletik-Verband sowie zwei Firmen kümmern sich darum, in Abstimmung mit der Schulverwaltung.

Das Sportnetzwerk Funpool arbeitet mit 400 Freizeit- und Sportcentern in Berlin zusammen, die Firma Eversport hat eine Internetseite gebaut, über die Schulen Sportmöglichkeiten in ihrer jeweiligen Nähe finden und buchen können, und der Leichtathletik-Verband stellt Übungsleiter, die mit Kindern und Jugendlichen spielen und trainieren. Auch für den Transport ist gesorgt. Bezirke übernehmen bei Bedarf die Kosten, damit Schüler zu ihrem Sportunterricht kommen. Und Schüler ab der Jahrgangsstufe 9 dürfen ausnahmsweise mit dem BVG-„Schulklassen-Ticket“ fahren.

Sondertopf für Lauftraining und "Sportwandertage"

Mit 1,5 Millionen Euro ist für diesen Zweck ein Sondertopf gefüllt, bis Juni wird das Geld erstmal reichen. Kalkuliert wird derzeit mit 500 Euro pro Klasse. Es ist ein Angebot, „wir zwingen niemanden, die Möglichkeiten anzunehmen“, sagt Scheeres. 65 Schulen sind von der Hallenbelegung betroffen, 31 nehmen an dem neuen Programm derzeit teil. Der Sportunterricht kann jetzt denkbar vielfältig ablaufen. Der Leichtathletik-Verband bietet zum Beispiel drei Varianten an. „Erste Stufe“, sagt Verbandspräsident Gerhard Janetzky, „ist ein Lauftreff an Schulen.“ Gejoggt wird in der Nähe der jeweiligen Schule, im Park oder in einer anderen Grünanlage. Trainer mit Lizenz kümmern sich um die Schüler. Dauer: eine Stunde.

Für Anspruchsvollere ist ein Zirkeltraining mit 20 Stationen im Angebot, auch wieder auf eine Stunde begrenzt. Dritte Variante ist ein „Sportwandertag“, ein Ausflug zum Olympiapark zum Beispiel. „Dort findet dann ein Teamwettbewerb statt“, sagt Janetzky. Zum Beispiel das Einstechen eines Stabs in einen Gummireifen. Stabhochsprung für Anfänger. Auch im Angebot: ein Olympiasieger zum Anfassen. Harting hat schon zugesagt. Sechs-, siebenjährige Grundschüler können zu einem Indoor-Spielplatz, zur Auswahl stehen aber auch Fußball-Hallen oder Skateboard-Anlagen, aber auch Räume zum Beispiel für Anti-Gewaltkurse kann ein Lehrer buchen.

„Alle Anbieter räumen Rabatte ein“, sagt Christian Schwab, Geschäftsführer von Funpool, obwohl das „für einige ein schmerzliches Thema ist“. Dass ein paar Hallenbetreiber angesäuert reagieren werden, weil sich Kinder zu wild aufführen und andere Kunden stören, ist in der Planung eingepreist. „Ein paar Angebote werden sicher noch aussortiert“, sagt Schwab. Bei der Wasserski-Anlage in Großbeeren ist diese Frage erstmal noch nicht relevant. Die öffnet erst, wenn’s erheblich wärmer ist.

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