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Berlin-Blankenburg : Kriminalpolizei ermittelt wegen S-Bahn-Unfalls

Bei einem Unfall an der S-Bahnstrecke in Berlin-Blankenburg ist am Sonntag eine Person getötet und eine weitere schwer verletzt worden. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen.

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Feuerwehrleute an der Unglücksstelle.
Feuerwehrleute an der Unglücksstelle.Foto: dapd

Nach einem Arbeitsunfall mit einem Toten und einem Schwerverletzten in Berlin-Blankenburg hat die Kriminalpolizei die Ermittlungen übernommen. Auch sei die Obduktion des Leichnams angeordnet worden, teilte die Polizei am Montag mit. Bei dem Unfall an einer S-Bahnstrecke wurden am Sonntag ein 47-jähriger Mann getötet und ein 20 Jahre alter Kollege schwer verletzt.

Sie wollten eine eingefrorene Weiche enteisen – und bemerkten bei dem Wintereinsatz laut Feuerwehr nicht den herannahenden S-Bahnzug: Zwei Arbeitern der Deutschen Bahn wurde dieses Versehen am späten Sonntagnachmittag auf den verschneiten Berliner S-Bahngleisen zum Verhängnis. Ein Mann starb am Unfallort, sein Kollege wurde lebensgefährlich verletzt. Das Unglück ereignete sich gegen 16.20 Uhr nördlich des Bahnhofs Blankenburg, kurz vor dem Karower Kreuz am Abzweig der S-Bahn-Strecke Richtung Hohen Neuendorf.

Der Fahrer des Zuges Richtung Buch kam mit einem Schock ins Krankenhaus. Die etwa 100 Fahrgäste durften den Zug erst um 18.05 Uhr, also nach eindreiviertel Stunden, an einem Betriebsbahnhof verlassen, danach wurde der Zug von der Kripo zur Spurensicherung beschlagnahmt. Die Bundespolizei (sie ist für die Bahn zuständig) und die Berliner Polizei haben die Ermittlungen aufgenommen.

Der genaue Hergang ist noch unklar. Weitere Arbeiter waren nicht am Ort, so dass es keine Zeugen gibt, die vernommen werden konnten. Der getötete Arbeiter war 47 Jahre alt, der andere soll deutlich jünger gewesen sein. Sie sollten eine Weiche auftauen. Polizeibeamte fanden am Unglücksort eine Propangasflasche.

Zahlreiche eingefrorene Weichen sind im derzeitigen harten Winter bei der S-Bahn einer der Gründe für das Chaos im Betrieb. Ob in dieser hektischen Situation und bei Eiseskälte alle Sicherheitsbestimmungen beachtet worden sind, wird nun ermittelt. Nach den Vorschriften muss mindestens einer der Arbeiter am Ort nur zur Sicherung eingesetzt werden. Er soll die Kollegen vor herannahenden Zügen mit einem Typhon warnen. Die Bahn wollte sich gestern nicht äußern.

Unfälle dieser Art haben sich in der Vergangenheit sehr häufig ereignet. Mehrfach hatte es im Bundesgebiet bis zu zehn Tote gegeben, wenn Züge in Gleisarbeitergruppen rasten. In Berlin gab es den letzten tödlichen Unfall 2005. Auf den Ferngleisen im Bahnhof Friedrichstraße war nachts ein Signalbauer von einem Nachtzug erfasst und getötet worden. Bei der BVG wurde 2006 nahe dem U-Bahnhof Wittenbergplatz ausgerechnet ein Sicherheitsinspektor von einem Zug erfasst und getötet.

Ursache ist häufig Unachtsamkeit. Die Aufgabe, Kollegen vor Zügen zu warnen, gilt als extrem ermüdend. Zudem unterschätzen auch Bahnarbeiter das Tempo von Zügen – wenn diese zu sehen sind, ist es oft schon zu spät. Und Gleisarbeiten sind häufig auch sehr laut. Bei größeren Vorhaben setzt die Bahn deshalb automatische Sicherungen wie Blitzanlagen ein.

Der Verkehr auf der viergleisigen Strecke wurde nach dem Unfall unterbrochen, als Ersatz fuhren teils Busse.

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