Berlin-Brandenburg : Sieben Menschen starben im Sturm

Bei dem verheerenden Sturm am Mittwochabend verloren sieben Menschen innerhalb einer einzigen Stunde ihr Leben.

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Die ersten Toten gab es im Süden Berlins, von dort zog der Orkan nach Norden über die Stadt und Teile Brandenburgs hinweg. Innerhalb von Sekunden brach das Unwetter los, tötete zwei Jugendliche im Zeltlager auf der Insel Schwanenwerder. Sechs Menschen wurden von umstürzenden Bäumen oder herabstürzenden Ästen erschlagen, ein junger Mann wurde von einer umherfliegenden Gartenlaube getroffen und tödlich verletzt. Alle sieben Opfer starben am Ort des Unglücks.

Der erste Notruf erreichte die Feuerwehr um 20.17 Uhr, nur drei Minuten später wurde angesichts der massenhaft eingehenden Alarmmeldungen der Ausnahmezustand ausgerufen. 23 Menschen werden in Berlin verletzt. Bei der Feuerwehr hieß es, dass keiner der Verletzten in Lebensgefahr schwebt – die einzige gute Nachricht. Hinter der Statistik der Orkannacht stehen die Schicksale von sieben Todesopfern. Eine Chronologie:

20.20 Uhr, Insel Schwanenwerder in Zehlendorf. Innerhalb von Sekunden sterben zwei Jugendliche durch zwei umstürzende Bäume auf dem Zeltplatz: der 14-jährige Mike aus dem Köpenicker Ortsteil Müggelheim und der 15-jährige Sascha aus Frankfurt (Main). Beide Jungen gehörten ihrer Jugendfeuerwehr an, mit 107 anderen jungen Leuten von deutschen Jugendfeuerwehren hatten sie sich zu einem einwöchigen „Begegnungszeltlager“ getroffen, das bis Freitag dauern sollte. Am Unglückstag hatten sie noch Gäste aus den USA auf Schwanenwerder besucht, 16 Kinder von Feuerwehrleuten aus New York, die bei den Attentaten des 11. September getötet worden waren. Gemeinsam hatten sie gespielt und gebadet.

20.30 Uhr, Bugk, Kreis Oder-Spree. Werner S. (45) ist mit dem Fahrrad unterwegs, als der Sturm losbricht. Er schafft es nicht mehr bis zu einer Bushaltestelle, sucht unter einem Baum in der Nähe Zuflucht. Ein herabstürzender Ast trifft ihn am Kopf, Werner S. ist sofort tot.

20.55 Uhr, Reinickendorf. Der 60-Jährige Hans Jürgen H. aus der Tegeler Straße in Wedding wird in der Kleingartenkolonie „Mariabrunn“, dicht am Schäfersee und der Bezirksgrenze zu Wedding, von einem umstürzenden Baum erschlagen. Die Feuerwehr schickt auf den Notruf „Person unter Baum" um 21 Uhr einen Notarztwagen zu der Kolonie an der Baseler Straße, doch vergebens: Hans Jürgen H. ist tot, kann nicht mehr reanimiert werden.

21.05 Uhr, Pankow. Der 40-jährige Klaus B. aus Niederschönhausen wird in der Nähe seiner Wohnung in einer kleinen Grünanlage an der Hermann-Hesse-Straße Ecke Güllweg von einem herabfallenden Ast getroffen. Zeugen rufen die Feuerwehr, die einen Rettungswagen schickt. Die Sanitäter finden den 40-Jährigen leblos vor, alarmieren jedoch vorsichtshalber einen – mit einem Arzt besetzten – Notarztwagen. Doch auch der Mediziner kann dem Mann nicht mehr helfen - der Mann stirbt noch am Unglücksort. Erst am Sonntag hatte Klaus B. seinen 40. Geburtstag gefeiert.

21.15 Uhr, Kreis Märkisch-Oderland. Auf der Landstraße zwischen Görlsdorf und Diedersdorf. Die 25-jährige Sieglinde M. ist mit ihrem knapp zweijährigem Kind, ihrem Lebensgefährten und einer Bekannten im Auto unterwegs. 500 Meter vor dem Ortseingang von Diedersdorf spaltet sich an der rechten Fahrbahnseite ein Baum und stürzt auf das Fahrzeug. Die Insassen sind eingeklemmt und müssen befreit werden. Während das Kind und die beiden Beifahrer verletzt ins Krankenhaus transportiert werden, kommt für Sieglinde M. jede Hilfe zu spät.

21.30 Uhr, Mühlenbeck, Kreis Oberhavel. Ein 18-Jähriger wird durch ein vom Sturm losgewehtes Laubendach erschlagen. Die Feuerwehr befreit ihn unter den Trümmern, doch der Notarzt stellt nur noch den Tod fest. Der junge Mann hatte mit seinem Bruder und einem Bekannten im Garten des Grundstückes seiner Eltern gearbeitet.

Zum Gedenken an die Toten wurde Trauerbeflaggung angeordnet. Innensenator Ehrhart Körting lässt die Fahnen an allen Gebäuden des Landes auf Halbmast setzen. Für den Tag nach dem Sturm hatte dies nicht mehr geklappt – wegen technischer Probleme.

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