Berlin : Berlin brutal

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber

fühlt mit dem Finanzsenator

Berlin ist eine harte Stadt, eine Aufsteiger- und Niedermacherstadt, eine Stadt, die wie New York steile Karrieren unter der Begleitmusik von Frank Sinatra möglich macht – „Wenn ich es hier schaffe, dann überall“ – und ebenso steile Stürze: Endstation Sozialamt, angetreten zum Miniermottenvernichten. Berliner Stratosphäre – das ist die Ebene der Sabine Christiansen oder des Udo Walz. Auf dem Berliner Traumschrotthaufen endlagern zahllose vielversprechende Karrierestarts. Hatte nicht auch der „schräge“ Daniel Küblböck sein Glück hier machen wollen, um bald schon an Berliner Alltagshärten zu scheitern und zurück nach Süddeutschland zu ziehen? Weg ist er, schon lange, unbemerkt, vergessen.

Schlimm, dass auch Thilo Sarrazin, der Finanzsenator, einen seiner Kinderträume ausgerechnet in Berlin und durch Berlin scheitern sieht. Vor einer Woche war bekannt geworden, dass der junge Sarrazin durchaus nicht Finanzsenator oder Kassenwart oder Kritiker der Berliner Sozialausstattungskultur mit ihren zahllosen Extras werden wollte. Der junge Sarrazin wäre gern Oberförster geworden, vertraute er romantisch-diskret einem kleinen, aber feinen Beamtenmagazin an. Daraus werde nichts, jedenfalls nicht in Berlin, hat gestern nun Sarrazins Senatskollege Peter Strieder bekannt gegeben. Der Stadtentwicklungs- und Forstsenator gab bekannt, Oberförster gebe es nur in Brandenburg. Nun hat Strieder, der stolze Großstadtentwickler, einen Jungentraum auf dem Gewissen – und einen Finanzsenator aus Stahl am Hals, mindestens bis zur Länderfusion.

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