Berlin-Buch : Charité und Helios-Kliniken trennen sich

Nach Kritik an der Kostenaufteilung wird die Kooperation zwischen der Universitätsklinik und dem Privatkonzern im Klinikum Berlin-Buch beendet. Nun sorgen sich Fachleute um die Zukunft der Forschung an dem Standort.

Tilmann Warnecke

Die Charité und der private Krankenhauskonzern Helios wollen ihre umstrittene Klinik-Kooperation am Standort Buch offenbar auflösen. Das erfuhr der Tagesspiegel aus informierten Kreisen. Der Vertrag zwischen Charité und Helios solle „einvernehmlich zurückgenommen werden“ hieß es. „Die institutionalisierte Zusammenarbeit wird aufgegeben.“ Künftig solle nur noch bei einzelnen wissenschaftlichen Projekten zusammengearbeitet werden. Charité und Helios haben für Montag eine Pressekonferenz zu dem Thema angekündigt.

Um die Klinik-Kooperation in Buch gibt es seit fast einem Jahr Streit. Ärzte der Charité arbeiten dort an den beiden Kliniken „Robert Rössle“ für Tumorerkrankungen und „Franz Volhard“ für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Helios 2001 dem Land Berlin abkaufte. Eigentlich sieht der Vertrag zwischen Charité und Helios vor, dass die Charité allein für die Forschungsleistungen ihrer Ärzte zahlt, während Helios die Krankenversorgung übernimmt.

Diese trennscharfe Abrechnung sei aber versäumt worden, so der Vorwurf. Die staatlich subventionierte Uniklinik habe vielmehr mit 15 Millionen Euro die Krankenversorgung von Helios quersubventioniert. In einem ersten Gutachten hatten sich vom Senat beauftragte Wirtschaftsprüfer wegen mangelnder Unterlagen nicht in der Lage gesehen, die Vorwürfe abschließend zu klären. Ein erweitertes Gutachten soll jetzt erst Ende November vorgelegt werden. Die Charité und ihre Wissenschaftler haben die Vorwürfe immer wieder zurückgewiesen. Der Vertrag über die Zusammenarbeit sollte eigentlich bis zum Jahr 2021 laufen.

Ist die Vertragsauflösung ein Eingeständnis, dass es tatsächlich in großem Maße zu unerlaubten Quersubventionierungen gekommen ist? Zu hören war gestern, Charité und Helios hielten die Rufschädigung durch die monatelange Diskussion für zu groß, um den Vertrag weiterzuführen. Man würde nicht derart voneinander profitieren, dass es sich lohne, den Vertrag aufrechtzuerhalten.

In der Charité wird aber auch von einem „Riesenfehler“ gesprochen. Es hieß, die Charité verabschiede sich damit prinzipiell von der Idee, gemeinsam mit einem privaten Klinik-Konzern zu forschen. Der seit September amtierende Charité-Chef Karl Max Einhäupl kündigte bereits an, er wolle verstärkt mit den landeseigenen Vivantes-Kliniken zusammenarbeiten.

Einhäupl hatte auch durchblicken lassen, dass er der Kooperation mit Helios in Buch skeptischer gegenübersteht als sein Vorgänger Detlev Ganten. Dieser gilt als der Vater des Campus Buch. Ganten war früher Chef des größtenteils vom Bund finanzierten Max-Delbrück-Centrums für molekulare Medizin, das neben Helios und Charité die dritte große Einrichtung in Buch ist.

Was würde das Vertragsende für die Forschung in Buch bedeuten? Wissenschaftler widmen sich dort der medizinischen Grundlagenforschung und versuchen, diese in klinische Therapien zu übertragen. Ihre Arbeit gilt als international renommiert, die räumliche Nähe von Krankenstationen und Forschungslaboren gilt als ideal. Ob die Charité sich künftig radikal aus Buch zurückzieht und auch die Zusammenarbeit mit dem Max-Delbrück- Centrum zurückfährt, ist unklar. Forscher hatten in den letzten Monaten immer wieder die Befürchtung geäußert, der Forschungscampus Buch sei am Ende, sollte sich die Charité zurückziehen.

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