Berlin-Bücher : Amoklauf im Jobcenter

Michaela Becks Thriller „Wonderful Berlin“.

Werner van Bebber

Schreckliches Gefühl: Man gerät in einen Amoklauf, überlebt – und weiß danach nicht, was geschehen ist. Man hat kurz das Bewusstsein verloren, erwacht – und wird als Held gefeiert. Weil man den Amokläufer getötet hat, mit dessen Waffe. Aber man weiß es eben nicht: War es wirklich so, wie alle glauben?

Norbert Fröhlich, der Held in Michaela Becks Krimi „Wonderful Berlin“, muss mit diesem Gefühl zurechtkommen, seit er einen Amoklauf – drei Tote, ein lebensgefährlich Verletzter – mit einem Schock überlebt hat. Der Ex-Polizist und Ex-Detektiv lebt von Hartz IV, den Amoklauf erlebte er im Jobcenter. Dort ist, so sehen es seine ehemaligen Ex-Kollegen, das passiert, was nie so ganz weit entfernt zu sein scheint in den Jobcentern der großen armen Stadt Berlin: Einer von denen, die sich schlecht behandelt, gedemütigt fühlen, ist ausgerastet, zum Killer geworden.

Becks Krimi lebt von einer spannenden Idee und, wenngleich sich das liest wie ein Widerspruch, von der dauergrauen, miefig-piefigen Atmosphäre im Milieu der Verlierer und Abgehängten. Doch ein bisschen mehr Tempo hätte „Wonderful Berlin“ gutgetan.

Michaela Beck: „Wonderful Berlin“. Emons-Verlag, Köln. 256 Seiten, 9,90 Euro

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