BERLIN Bücher : Bekenntnisse eines Neu-Berliners

Der Wahlberliner Falko Rademacher legt die Hauptstadt auch denen ans Herz, die auf keinen Fall jemals dort leben wollen.

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Auf Seite 222 outet sich der Autor dieser Schwarte, allerdings mit einem (zum Inhalt seiner Auslassungen sehr passenden) Negativfoto: „Falko Rademacher ist für jede richtige Antwort ungeeignet und daher eigentlich der perfekte Berliner“, steht da, „er lebt und liebt in Berlin und hasst die Stadt überhaupt nicht, sondern hält sie für den coolsten Ort Deutschlands (trotz Angela Merkel)“. Der Autor ist Neu-Berliner, vor zwei Jahren erlag der Kölner dem Lockruf der Hauptstadt. Hier hatte er nichts Eiligeres zu tun, als janz jenau zu beobachten und die wundersamsten Notierungen auf dem Berliner Alltagsparkett so schnoddrig aufzuschreiben wie sich das gehört, wenn einen der Berlin-Virus ansteckt und man gerne damit aneckt. Auf dem grünen Umschlag fällt der Titel „Das Buch für Berlin-Hasser“ nebst Stinkefinger ins Auge, aber dann signalisiert auch schon der Hinweis „Fast eine Liebeserklärung“: Alles ist nicht so gemeint. „Dieses Buch versteht sich als Satire im Sinne des Presserechts“, hat der Verlag vorsichtshalber auf die erste Seite gedruckt, hallo, jetzt kommt Falko und nimmt euch alle auf die Schippe. Kleine Stilprobe? „In keinem Bundesland sterben die Menschen so früh wie in Berlin. Der ungesunde Lebensstil, bestehend aus Cholesterin, Drogen und einem viel zu guten öffentlichen Nahverkehr, der einem jede Motivation zur Bewegung nimmt, fordert seinen Tribut. Acht Prozent liegt Berlin über dem Bundesdurchschnitt, wenn es ums frühzeitige Abkratzen geht.“ Jeder Bezirk bekommt sein Kapitel bzw. sein Fett weg, Pankow zum Beispiel „ist ein Zwitter aus typischem Ost-Mief und frischem West-Mief, und zusammen bilden beide ein glückliches Gespann, in dem keiner vom anderen was wissen will. Die ideale Nachbarschaft“. Oder: „Wenn jemand behauptet, Charlottendorf sei der lebenswerteste Berliner Bezirk, so können wir das durchgehen lassen. Für ein satirisches Buch wie dieses ist es natürlich scheißlangweilig.“ Was man von diesen Texten nicht sagen kann. Aber frech sind sie, maßlos und ohne Hass.

Falko Rademacher: Das Buch für Berlin-Hasser. Fast eine Liebeserklärung. Berlin-Edition im be.bra Verlag, Berlin. 222 Seiten, 14,95 Euro

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