BERLIN Bücher : Der Tote im Tiergarten

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Spaziergänger, Radler und Jogger lieben den Tiergarten. Die grüne Oase hat Platz für alle, auch für Homosexuelle, die in der Dunkelheit hier die schnelle Liebe praktizieren. Im Krimi von Stefan Holtkötter kann das gefährlich werden. Der schöne Park mutiert zum „Todesgarten“. Ein junger Mann wird erschlagen aufgefunden, und dass er schwul war, ist schnell klar. Auch ein Verdächtiger ist rasch ausgemacht, ein Jugendlicher, der, wie die Übrigen seiner Gang Homosexuellen auflauert, um ihnen „einen Denkzettel zu verpassen“. Doch er ist unschuldig. Wer war es dann? Gern würde der Leser auf der Suche nach dem Mörder mitfiebern, doch Stefan Holtkötter macht es ihm schwer. Zu viele Personen werden präsentiert, die irgendeine Verbindung zum Opfer hatten. Diverse Ermittler bearbeiten den Fall, darunter Kommissar Michael Schöne, der eigentlich Urlaub hat, freie Tage aber nicht aushält.

Spannung könnte erwachsen, als klar wird, dass es zwischen Schöne und dem Opfer eine erstaunliche Verbindung gibt. Aber der Autor macht nichts aus dem Plot. Er verheddert sich in zu vielen Nebengeschichtchen, die Protagonisten bleiben konturlos, und selbst die Berliner Schauplätze wie etwa die Potsdamer Straße, das Tempelhofer Feld oder die Kneipe Kumpelnest („klebrige Jazzmusik, rote kreisende Lichter und leises Gemurmel“) wirken langweilig.

319 Seiten Platz nimmt sich Holtkötter für seinen „Todesgarten“. Und zieht zuletzt einen Täter aus dem Hut, den wohl kein anderer auf dem Zettel hatte. Die einfachste Art, einen Krimi zu beenden. Aber eben auch die unbefriedigendste für Leser. Hella Kaiser

Stefan Holtkötter: Todesgarten, Piper München, 319 Seiten, 9,99 Euro

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