BERLIN Bücher : Hauptstadt der Agenten

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Mit einem brachialen Mord in einer Garage beginnt es im Prolog, dann müssen wir uns im bitterkalten Winter Berlins zurechtfinden. Eis und Schnee beherrschen die Hauptstadt. Auf einer Baustelle wird eine eingemauerte Leiche gefunden. Ein anonymer Anruf kommt hinzu, und eine Geschichte nimmt ihren Lauf, die in die Hausbesetzerszene der achtziger Jahre führt und Berlin als Frontstadt und Jagdrevier von Agenten in den Blickpunkt stellt. Daher der Titel: „Stadt der Spitzel“. Der Leser erwartet einen Thriller.

Die Hauptfigur, Martin Pollock, ist Fernsehreporter. Er haust allein in einer kleinen Bude in Schöneberg. Anfang vierzig ist er, ein einsamer Wolf, „hoffnungsloser Romantiker“, heißt es einmal. Durch einen anonymen Anruf hellhörig geworden, hat sich Pollock auf die Suche begeben. Recherchieren, kombinieren, schnüffeln – das ist ohnehin sein Metier. Mit seiner gewöhnlichen Arbeit beim Sender aber hat er innerlich schon abgeschlossen. Denn dort zählen nur noch Oberflächlichkeit und Opportunismus.

Während der Ermittlungen erfahren wir allerlei über alte Seilschaften bis in die Führung von Sendern und Polizeibehörden hinein. Der Autor, Hans Helmich, hat in Zeitungs- und Fernsehredaktionen gearbeitet und laut eigener Aussage als Student einst selbst Erfahrungen mit dem russischen Geheimdienst, dem KGB, in WestBerlin gemacht. Dieses wenig beleuchtete Kapitel stellt er mit seinem Krimi in den Blickpunkt. Dazu kombiniert der Autor verschiedene Frauengeschichten, lässt im Puffmilieu ermitteln, gibt ungelenke Liebesszenen dazu. Von allem etwas, was den Stoff reizvoll machen soll.

Dennoch: Richtig spannend erzählt ist das alles nicht. Der Leser fiebert selten mit, die Berlin-Atmosphäre bleibt unterbelichtet, Überraschungen fallen flach aus, Zufälle wirken zu gewollt, und gegen Ende häufen sich Flüchtigkeiten und Unwahrscheinliches. Leider nur ein laues Vergnügen. Stefan Berkholz













Hans Helmich:
Stadt der Spitzel. Pendragon Verlag, Bielefeld. 330 Seiten, 12,95 Euro.

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