BERLIN Bücher : Liebermanns Lausbubenjahre

Ein Lausejunge, dieser Max Liebermann. Künstler? Vorerst nur darin, aus Nussbaumblättern Zigaretten zu drehen und heimlich zu paffen – mit absehbaren Folgen. Hundeelend wurde dem Knaben, die Eltern riefen den Arzt, schließlich gab Mäxchen die Missetat zu. Es gab „mächtig was rauf, und ich war von meiner Freude am Rauchen für immer kuriert. Kinder, macht mir das nicht nach! Dabei kommt nichts raus!“

Eine Episode aus der Kindheit des großen Malers, von ihm selbst erzählt am 13. April 1932 im Berliner Deutschlandsender in der Kindersendung „Aus meinem Leben“. Die Autorin Regina Scheer hat die im Deutschen Rundfunkarchiv erhaltene Sendung zum Thema eines schmalen, doch sehr lesenswerten Buches gemacht, dem das Tondokument als CD beiliegt. Liebermann erzählte vom Elternhaus, der Kindheit, entwarf ein Bild seiner Jugend und das Porträt einer versunkenen, für die jungen Zuhörer kaum mehr vorstellbaren Welt. „Geboren bin ich in Berlin, mein Geburtshaus steht aber längst nicht mehr“ – ein typischer Satz.

Ein spannendes, unterhaltsames Dokument, das die Autorin ergänzt, indem sie es durch Informationen zur Geschichte der Liebermanns wie zur Situation Berlins im Jahr vor Hitlers Machtübernahme ergänzt, Lebens- und Stadtgeschichte geschickt verknüpfend. Zwar war Liebermann noch Präsident der Akademie der Künste, Angriffe der rechten Presse auf die „Brutstätte bolschewistischer Ideologie“ war er gewohnt, aber sie nahmen an Schärfe zu. Nicht mal mehr ein Jahr, dann würden die braunen Kohorten auch an seinem Haus vorbeimarschieren. ac

Regina Scheer: Max Liebermann erzählt aus seinem Leben Verlag für Berlin-Brandenburg,

96 Seiten, 32 Abbildungen, mit Audio-CD (ca. 30 Min.),

16,90 Euro.

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