BERLIN Bücher : Lorbeerkränze für die Frauen

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Erst wurden der Delinquentin „fünff finger an der Rechten Hand einer nach dem andern mit glühenden Zangen abgezwacket, nachmalen ihr Leib mitt vier glühenden Zangen, nemlich in der Brust und Arm gegriffen, Folglich mitt eisernen Ketten uff einem erhabenen Pfahle angeschmiedet, lebendig geschmochet und allso vom leben zum tode verrichtet“ – all dies „von Rechts wegen“, wie es im Urteil hieß. Daran bestehen ernste Zweifel: Heute gilt Grete Minde, hingerichtet 1619 zu Tangermünde, keineswegs als die Person, die ihre Stadt anzündete, eher als Opfer einer Intrige. Der Großbrand vom 13. September 1617 war ihr zu Unrecht angelastet worden, sie hatte ein Alibi außerhalb der Stadt. Doch der Bürgermeister behauptete, sie am Brandabend gesehen zu haben, zudem gestand sie unter der Folter.

Zu Tangermünde gehört Grete Minde wie der Hauptmann zu Köpenick, über die Stadtgrenzen hinaus berühmt wurde sie durch die Erzählung Fontanes, bei dem sie aber die Brandstifterin ist, zu ihrer Tat getrieben aus Rache für erlittenes Unrecht. Die Stadt liegt heute in Sachsen-Anhalt, gehört jedoch zur alten Mark Brandenburg und war bis ins späte 15. Jahrhundert kurfürstliche Residenz, abgelöst von Cölln an der Spree. Eine Frau wie Grete Minde in ein Buch mit „Frauenporträts aus Brandenburg-Preußen“ aufzunehmen, ist also zu rechtfertigen.

Es sind 30 Frauen, deren Geschichten die Herausgeberin Antje Leschonski in dem Buch „Anna, Lily und Regine“ gesammelt hat. Anna – das ist Anna Götzens (1559–1617) aus Lenzen in der Prignitz, die die „Bretzelsalve“, ein kirchliches Fest für Kinder, schuf. Lily Braun (1861–1916), Politikerin, Frauenrechtlerin, Schriftstellerin aus Halberstadt, hatte ihren Lebensmittelpunkt in Berlin, lebte zuletzt in Kleinmachnow und liegt dort begraben. Regine Hildebrandt war sogar gebürtige Berlinerin, und die Stadt an der Spree blieb überwiegend das Zentrum ihres Lebens, erst durch ihre Rolle in der Potsdamer Landesregierung wurde sie zum Inbegriff der Brandenburgerin.

Das Buch wurde von der evangelischen Hoffbauer-Stiftung unterstützt, das hatte Auswirkungen auf die Auswahl der Frauen, die oft dem kirchlichen Bereich zuzuordnen sind. Auch bei den Autoren überwiegt ein theologischer Hintergrund, zudem gibt es mitunter familiäre Verbindungen mit den Porträtierten – beides ist der Distanz zum Thema nicht förderlich, so dass manche Texte zum Schwärmerischen tendieren. Gleichwohl ist es ein Büchlein für Entdeckungen, als Würdigung von Frauen, die dies mehr als verdienen, aber oft in Vergessenheit gerieten. Die selbst gekrönten Häuptern trotzten im Großen wie im Kleinen, so die „deutsche Sappho“ Anna Louisa Karsch (1722–1791), der Friedrich II. ein Haus versprach, was er bald vergaß. Nur zwei Taler schickte er, die sie zurücksandte, samt einiger Verslein: „Zwei Taler gibt kein großer König,/ Ein solch Geschenk vergrößert nicht mein Glück,/ Nein, es erniedrigt mich ein wenig,/ Drum geb ich sie zurück.“ Andreas Conrad





Antje Leschonski (Hg.):
Anna, Lily und Regine. 30 Frauenporträts aus Brandenburg-Preußen. Verlag für Berlin-Brandenburg Berlin. 180 Seiten, 14,90 Euro

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