Berlin : Berlin Capitals: Eishockey-Cracks fahren nun zum Training nach Weißwasser

Brigitte Grunert

Wie lange hält ein Senatsbeschluss? Vermutlich ist der ersatzlose Abriss der Eissporthalle in der Jafféstraße nicht durchs Nadelöhr des Abgeordnetenhauses zu drücken. In allen Fraktionen regt sich Widerstand. Vor diesem Hintergrund ist auch der Streit zwischen dem Senat und den Eishockey-Klubs um die Hallenmiete eskaliert. Er gipfelte in der Aussperrung der Capitals vom Training in der Charlottenburger Halle. Nun soll der neue Landessportbund-Präsident Peter Hanisch vermitteln. Man habe diese Hilfe dankend angenommen, "die Fronten sind einfach zu verhärtet", sagt Capitals-Sprecher Peter Harbig.

Capitals-Manager Lorenz Funk droht inzwischen, man werde aus der Stadt flüchten, wenn die Halle auch in der nächsten Woche nicht geöffnet werde. Ein Trainingslager in Weißwasser sei bereits geplant, "peinlich wäre das für die Sportstadt Berlin allerdings schon".

Die Capitals wollen sich weder für eine unklare Übergangszeit zu den Eisbären nach Hohenschönhausen verfrachten lassen noch die neuen Mietbedingungen akzeptieren. Da ihnen die Gemeinnützigkeit aberkannt wurde, will der Senat sie mit Beginn der neuen Saison zum 1. September nach den Sportanlagennutzungsvorschriften (Span) zur Kasse bitten. Seit dem 30. April herrscht aber ein vertragsloser Zustand. Der Senat sagt: ohne Vertrag keine Nutzung der Halle.

Sportstaatssekretär Frank Ebel betonte gestern die Verhandlungsbereitschaft des Senats und bedauerte die "bisherige starre Haltung des Vereins". Die Kompromissfähigkeit des Senats habe sich bereits bei der Reduzierung der Forderungen gezeigt. Die Capitals sollen pro Heimspiel künftig sieben Prozent der Zuschauereinnahmen als Nutzungsentgelt zahlen. Laut Span könnte der Senat zehn Prozent verlangen; bisher zahlte der Verein sieben Prozent erst vom 3000. Zuschauer an. Neu ist nun auch, dass der Senat pro Trainingseinheit 340 Mark (ursprüngliche Forderung 703 Mark) plus 300 000 Mark Mietkaution (zunächst 400 000 Mark) verlangt. Diese Entgelte seien "angemessen", sagt Ebel, denn sie machten nur etwa drei Prozent des Etats der Capitals aus. Die Capitals kontern, dies bedeute eine Verdreifachung der Entgelte. Außerdem verlange Ebel 480 000 Mark Kaution, nämlich noch 180 000 Mark für angebliche Mietschulden, über die man aber prozessiere. Der Etat von 9,5 Millionen Mark sei längst verplant. Die Capitals hatten vergeblich angeboten, zunächst bis 8. September jede Trainingseinheit mit 339 Mark zu vergüten und die schon hinterlegte Kaution von 20 000 auf 25 000 Mark aufzustocken.

Für die Eisbären, die für August einen Zwischenkontrakt haben, sollen künftig die gleichen Senatsbedingungen gelten. Hier wird aber über 600 000 Mark Mietschulden prozessiert. Bei den Eisbären heißt es, man sei sicher, dass ihnen der Senat noch entgegenkommen werde, denn man rede über eine "Wellblechhütte".

Im Abgeordnetenhaus kritisiert niemand Mietforderungen des Senats, aber das Trainingsverbot mit Hilfe der Polizei sei eine absurde Hauptstadtposse, einfach grotesk. "So kann man mit den Capitals nicht umspringen, sie waren einmal unter anderen Namen ein Aushängeschild West-Berlins", so Wolfgang Wieland, Fraktionschef der Grünen.

Den ersatzlosen Abriss der Eissporthalle aber akzeptiert keine Fraktion, weil sich keiner vorstellen kann, dass sich Capitals und Eisbären samt ihren Fans in Hohenschönhausen arrangieren. Als Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) kürzlich eine provisorische Halle - an noch nicht genannter Stelle - für zehn Millionen Mark auf Senatskosten vorschlug, wurde er jedoch vom Senat zurückgepfiffen. Inzwischen denken CDU, Grüne, PDS und wohl auch die SPD wieder an den Umbau der stillgelegten Deutschlandhalle zur Eissporthalle. Der Senat hatte den Plan - damals war von 20,9 Millionen Mark die Rede - fallen lassen, weil Privatinvestoren in Spandau eine große Mehrzweckhalle bauen wollen. Die Privatpläne sind aber noch nicht weit gediehen.

Capitals-Sprecher Brüderer sagt knallhart: "Nie im Leben spielen wir in Hohenschönhausen. Unsere Fans fahren nicht in den Osten, weil sie Angst um ihr Leben haben. Da verlieren wir unsere Zuschauer und unsere Sponsoren, das wäre ja eine Art Konkursverschleppung." Das Problem der konkurrierenden Ost-West-Vereine sehen auch die Fraktionen. SPD-Fraktionschef Klaus Wowereit hatte schon letzte Woche Bedenken gegen die Zwischenlösung Hohenschönhausen angemeldet. Nun sagt seine sportpolitische Sprecherin Karin Seidel-Kalmutzki aus Hohenschönhausen: "Da brennt doch jetzt schon die Luft. Ich jedenfalls stimme dem Abriss der Halle in der Jafféstraße garantiert nicht zu, ehe nicht Ersatz da ist." Notfalls müsse man auf die Halle in Spandau warten. Wolfgang Wieland sieht das genauso und erklärt es gleich für die ganze Grünen-Fraktion: Entweder Ersatz, zum Beispiel durch Umbau der Deutschlandhalle, oder die Messe müsse auf den Abriss und damit den Ausbau des Messegeländes warten, bis die Halle in Spandau steht. "Der Senat hat sich in eine Sackgasse manövriert, für uns hatte immer der Ausbau der Deutschlandhalle Priorität", so Frederik Over (PDS).

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