Berlin-Charlottenburg : Flüchtlinge kommen vorerst in der Gedächtniskirche unter

Die Flüchtlinge vom Breitscheidplatz ziehen vorübergehend in die Kapelle der Gedächtniskirche. Ihre Mahnwache wollen sie am Sonntag fortsetzen – wenn alle Fußballfans wieder zu Hause sind.

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Redebedarf. Pfarrer Martin Germer sprach zwei Stunden mit den Flüchtlingen.
Redebedarf. Pfarrer Martin Germer sprach zwei Stunden mit den Flüchtlingen.Foto: dpa

Umzug zum Pokalfinale: Die elf Flüchtlinge, die seit Tagen eine Mahnwache auf dem Breitscheidplatz in Charlottenburg abhalten, dürfen bis Sonntagmittag ein Übergangsquartier in der Kapelle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche beziehen. Dies verkündete Gemeindepfarrer Martin Germer bei einer Pressekonferenz am Freitag zusammen mit den Flüchtlingen. Am Wochenende werden zehntausende Fußballfans zum DFB-Pokalfinale erwartet. Der Gemeinderat habe sich zu dieser Zwischenlösung entschieden, um die Flüchtlinge vor eventuellen Zusammenstößen mit alkoholisierten Besuchern zu schützen, sagte Germer.

Die elf Männer, die Anfang der Woche Kirchenasyl gefordert hatten, lehnten das Angebot zuerst ab und wollten das Risiko in Kauf nehmen, weiter im Freien zu bleiben. Nach fast zweistündiger Diskussion am Freitagvormittag willigten sie aber doch noch ein. „Es war schwer für uns zu akzeptieren, aber wir werden bis Sonntag in der Kapelle bleiben“, sagte einer von ihnen. Dies wurde schriftlich vereinbart.

Aufruf an alle Berliner Gemeinden

Bis Sonntag möchte Germer versuchen, eine andere Unterkunft zu finden. Er rief alle Berliner Kirchengemeinden auf, zu prüfen, ob es Möglichkeiten gebe, die Flüchtlinge in den nächsten Wochen vorübergehend unterzubringen. „Sollte sich nichts finden, darf die Gruppe ihre Mahnwache an ihrem alten Platz vor der Gedächtniskirche fortsetzen“, sagte Germer. Zwischenzeitlich sollen die Männer eine Rechtsberatung erhalten, damit ihre Fälle individuell geprüft werden können. „Wir haben intensive Gespräch mit ihnen geführt und können sagen, dass viele von ihnen nicht die juristischen und sozialen Angebote erhalten haben, auf die sie Anspruch haben“, sagte Roland Prejawa, der die Flüchtlinge als Vertreter des Vereins „Pro Afrika“ unterstützt und zudem für die Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf sitzt. Auch Germer betonte, die Männer hätten „seriöse und schwerwiegende Gründe“ für ihre Forderung, Schutz in Deutschland zu erhalten.

Bedingungen für Kirchenasyl noch nicht erfüllt

Auch der Migrationsbeauftragte der Landeskirche, Hanns Thomä, sicherte seine Unterstützung zu – schloss aber etwa ein Kirchenasyl aus. „Das Kirchenasyl wird konkreten Personen gewährt, von denen man genau weiß, wer sie sind und wie ihr genauer Status aussieht – an diesem Punkt sind wir hier noch nicht.“ Die Landeskirche befinde sich in Kontakt mit Berlins Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) und den Behörden in Sachsen-Anhalt, wo die Flüchtlinge anfangs in Heimen untergebracht waren. Die Flüchtlinge haben bislang weder ihre Namen noch ihr Herkunftsland genannt. Germer hofft jedoch, während der nächsten zwei Tage in geschützter Atmosphäre vertrauensvolle Gespräche mit den Männern zu führen. Zutritt zu der Kapelle haben bis Sonntag nur die Flüchtlinge und Gemeindemitglieder.

Die Männer hatten zunächst am Alexanderplatz eine Mahnwache in Verbindung mit einem Hungerstreik abgehalten. Anders als dort habe es am Breitscheidplatz schon mehrere heftige rassistische Beschimpfungen von Passanten gegeben, sagte Prejawa. Ihren Hungerstreik haben die elf Männer nicht wieder aufgenommen. „Gesundheitlich geht es uns nicht gut“, sagte einer der Flüchtlinge am Freitag aber dennoch.

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