Berlin-Charlottenburg : Strenges Regiment im Schlosspark

Die Schlösserstiftung will nun auch in Charlottenburg Radfahren und Rasenbetreten mit Bußgeldern ahnden.

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Schluss mit lustig.
Schluss mit lustig. Runter vom Rasen, heißt es jetzt im Park des Schlosses Charlottenburg. -Foto: Steinert

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten will jetzt auch in Berlin die Parkordnung streng auslegen. Radfahren soll jetzt nirgendwo mehr erlaubt sein, die bezirklichen Ordnungsämter sollen das Verbot notfalls mit Bußgeld-Forderungen durchsetzen, fordert der für die Gärten der Stiftung zuständige Direktor Michael Rohde. „Der Nutzungsdruck wurde zu groß“, sagt Rohde.

Ähnlich wie in Babelsberg, wo sich Anwohner gegen die verschärfte Durchsetzung der Parkordnung im Schlosspark wehren, gehen nun auch die Charlottenburger unter dem Motto „Rettet den Schlosspark“ auf die Barrikaden. Für Sonntag haben eine Bürgerinitiative, der Fahrradclub ADFC und der Bund für Umwelt und Naturschutz zu einer Demonstration aufgerufen. Sie wollen um 15 Uhr auf dem Spandauer Damm vor dem Schloss gegen die harte Haltung der Schlösserstiftung protestieren.

Nach Angaben des ADFC werden Radfahrer seit einiger Zeit vom Ordnungsamt gestoppt und abkassiert. Das Verbot gelte im Schlosspark Charlottenburg auch für den Uferweg an der Spree. Nach Angaben des ADFC-Vorsitzenden Benno Koch ist der Uferweg als Teil des Spreeradweges zwischen Mitte und Spandau unverzichtbar. Koch, der auch Fahrradbeauftragter des Senats ist, sagte, dass derzeit überlegt werde, diesen Weg auszuschildern.

Erst vor drei Jahren wurde der Schlosspark an die Schlösser-Stiftung übergeben. Früher war das Ufer für Fahrräder freigegeben. In den ersten Jahren hatte die Stiftung Radler noch toleriert, damit soll nun Schluss sein. Auch im Potsdamer Vorort Babelsberg hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die mehrfach gegen die Verbote demonstriert hat.

Doch während die Stiftung in Potsdam mit eigenen Wächtern Bußgeld kassieren darf, ist sie in Berlin auf das Ordnungsamt des Bezirks angewiesen. Und der zuständige Stadtrat Marc Schulte lehnt die harte Linie der Stiftung ab. Schulte betonte, dass „das Ordnungsamt keine Regeln durchsetzen werde, die gegen den gesunden Menschenverstand verstoßen“. Das Radfahren auf dem Uferweg müsse erlaubt bleiben, fordert der SPD-Politiker. Zudem wäre es sinnvoll, im Schlosspark eine zweite Nord-Süd- und eine Ost-West-Verbindung für Radler auszuschildern. „Klar ausgewiesene Wege sind das Beste“, sagt Schulte. Seit einiger Zeit versuche der Bezirk mit der Schlösserstiftung ins Gespräch zu kommen – bislang ohne Erfolg. „Wenn sich die Stiftung nicht bewegt, können wir die Kontrollen ja reduzieren“, droht der Stadtrat an.

Neben dem Bezirk tritt auch das Land Berlin prinzipiell für das Radeln in Parks auf ausreichend breiten Wegen ein, sagt die Sprecherin von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer. Schwächere wie Kinder oder Fußgänger dürften dadurch jedoch nicht gefährdet werden. Die Entscheidungsbefugnis hätten aber die Bezirke. Und die handeln nach Angaben des Fahrradbeauftragten Koch äußerst unterschiedlich. So zeige der Bezirk Mitte großes Engagement, Wege auszubauen und auszuschildern. Ein anderer Vorreiter sei Lichtenberg, dort wurden gerade sämtliche Parks freigegeben.

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