Berlin : Berlin, ein Märchen mit Zukunft

Wirtschaftsgespräche seit zehn Jahren erfolgreich

Da gab es schon so ein paar Momente, die in Erinnerung bleiben. Als Gerhard Schröder, gerade erst mit der Bundesregierung nach Berlin gezogen, zum Business Dinner kam und der Verein Berliner Wirtschaftsgespräche 300 Gästen absagen musste, weil der Saal zu voll wurde. Ein zweiter Moment hat sich bei Rudolf Steinke, geschäftsführender Vorstand des Vereins, noch mehr eingeprägt. Beim Mittelstandsfrühstück 2006 trafen sich Flughafenchef Dieter Johannsen-Roth und sein Nachfolger Rainer Schwarz. „Das war beeindruckend“, findet Steinke. Immerhin habe Berlin-Brandenburg International eine herausragende Bedeutung für Berlin und die Begegnung wirkte auf ihn wie eine Zepterübergabe.

Am morgigen Sonnabend feiern die Wirtschaftsgespräche ihr zehnjähriges Bestehen. Der Verein greift aktuelle Themen auf und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Hauptstadt. „Wir begleiten die wirtschaftliche Entwicklung in Berlin und an manchen Stellen sind wir auch Impulsgeber“, sagt Steinke. Dabei helfen große Namen. Im Vorstand sind Parlamentspräsident Walter Momper und Finanzsenator Thilo Sarrazin. Neben Schröder sind auch schon die Bundesminister Otto Schily, Wolfgang Clement oder Peer Steinbrück den Einladungen der Wirtschaftsplattform gefolgt. Der Namensliste ist die Hochkarätigkeit der Gespräche zu entnehmen, aber auch die SPD-Nähe. Dennoch betont Steinke die parteiübergreifende Ausrichtung. „Wir wollen allen wirtschaftspolitischen Strömungen in Berlin eine Plattform bieten, sich zu artikulieren.“

Den Service nimmt die Berliner Wirtschaft dankbar an. Derzeit zählt der Verein 500 Mitglieder, Tendenz kontinuierlich steigend. Etwa die Hälfte sind Privatpersonen aus dem Wirtschaftsleben, die andere Hälfte setzt sich aus Unternehmen, Verbänden und anderen Institutionen zusammen. Business Dinner, Mittelstandsfrühstück, Gesprächskreise mit sieben verschiedenen Schwerpunkten wie etwa Tourismus, Gesundheitswirtschaft oder Neue Technologien – auf 160 Veranstaltungen brachte es der Verein im vergangenen Jahr.

Den zehnjährigen Geburtstag nutzt der 20-köpfige Vorstand, um einen Blick nach vorn zu werfen. Wie wird Berlin im Jahr 2030 aussehen, ist das Thema eines Buchs mit über 60 Beiträgen. Anzeichen dafür gebe es schon heute. „Die Berliner Wirtschaft hat sich bereits unheimlich modernisiert“, sagt Steinke. Verkehrs-, Bio- und Medizintechnologien werden seiner Ansicht nach ebenso an Bedeutung gewinnen wie die Kreativwirtschaft.

Am Samstag, 24. Mai, hält Sarrazin als Festredner bei der Jubiläumsfeier am Abend im International Club einen „Märchenbericht aus dem Jahre 2030“. Märchen sind oft brutal und abschreckend, gehen aber meistens gut aus. So könnte es auch Berlin gehen, das einst mit AEG oder Siemens eine führende Rolle in der Industrielandschaft Deutschlands spielte. „Das war unsere erste Zukunft, die zu einem ungeheuren Boom der Stadt geführt hat“, sagt Steinke. Den Boom zerstörten Krieg und Planwirtschaft. Deswegen fürchtet Steinke, dass Berlin seine einstige Rolle nicht wiederbekommen werde. Die Signale machen ihn dennoch optimistisch, dass das Märchen gut ausgehen werde. Vorher sei die Außensicht besser gewesen als der Blick von innen. Nicht mehr. „Die Metropole glaubt wieder an ihre eigene Zukunft“, sagt er.mj

„Zukunftsbericht Berlin 2030“, mit 60 Autoren, zu bestellen unter www.berliner-wirtschaftsgespraeche.de

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