Berlin : Berlin erbaut sich neu

Die Stadt wächst – was bedeutet das fürs Wohnen? Eine Diskussion in der Urania suchte Antworten.

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Expertenrunde. Urania und Tagesspiegel luden zur Diskussion über die Zukunft des Wohnens. Foto: Thilo Rückeis
Expertenrunde. Urania und Tagesspiegel luden zur Diskussion über die Zukunft des Wohnens. Foto: Thilo Rückeis

Im Jahr 2011 ist Berlin um 40 000 Menschen gewachsen, 2012 lag das Bevölkerungsplus noch mal bei 40 000, erklärt Baustaatssekretär Ephraim Gothe (SPD). Geht das jetzt jedes Jahr so weiter? Und was bedeutet das für den Neubau von Wohnungen und die Mieten? Darüber diskutierte Gothe auf Einladung der Architektenkammer und des Tagesspiegels in der Urania mit Architekten, Stadtplanern und einem großen Publikum.

Die Debatte kreiste zunächst ums Tempelhofer Feld und die Bebauungspläne des Senats. Theresa Keilhacker von der Architektenkammer votierte dafür, das Feld als „strategische Reserve“ zunächst unbebaut zu lassen und sich stattdessen um die Ertüchtigung des Wohnungsbestandes und um „kleinteilige“ Bauprojekte zu kümmern. Die Bevölkerungsprognose dürfe nicht dazu verleiten, „den massenhaften sozialen Wohnungsbau wieder auf den Markt zu werfen“.

Unterstützt wurde sie von Daniela Brahm von der Initiative „Stadt Neudenken“. Brahm warnte davor, Freiflächen einfach Investoren zu überlassen, ohne auf die negativen Folgen für die benachbarten Quartiere zu achten. Viele Bewohner hätten „Verlustängste“. Berlin solle zunächst einen Forschungsauftrag für günstiges Bauen formulieren. Architekt Hildebrandt Machleidt, der die Internationale Bauaustellung in den 1980ern mitvorbereitete, widersprach: Berlin werde wachsen, langfristig vielleicht sogar um eine halbe Million Menschen. Mit alten „Konzepten einer schrumpfenden Stadt“ komme man nicht mehr weiter. In Tempelhof sollten nicht nur 5000 Wohnungen gebaut werden, sondern 20 000. Das Leitmotiv: „Stadt der kurzen Wege.“

Doch wer soll 20 000 Wohnungen realisieren? Begeht die Stadt möglicherweise erneut die Fehler der 90er Jahre und vergibt große Bauvolumen an die „großen Player“ wie etwa die Groth-Gruppe?, fragte Tagesspiegel-Redakteur Ralf Schönball, der die Diskussion moderierte. Gothe antwortete ausweichend. Kleinteilige Neubauprojekte auf größeren Bauflächen zu realisieren, sei ein „mühseliger Prozess“ und treibe die Baukosten möglicherweise in die Höhe. Die Erschließung großer Flächen für den Neubau sei wichtig, weil das Füllen einzelner Lücken im Bestand einfach nicht ausreiche, um den Bedarf an neuem Wohnraum zu decken.

Aus dem Publikum kam die Frage, ob der Senat denn nun mit neuem sozialen Wohnungsbau Ernst mache. Gothe kündigte an, sich in den anstehenden Etatberatungen für einen Fördertopf einzusetzen. Doch Machleidt erinnerte an die finanziellen Spätfolgen aus dem sozialen Neubauprogramm der 70er und 80er Jahren. Einst öffentlich geförderte Wohnungen würden jetzt teuer verkauft. Um solche Fehlentwicklungen zu verhindern, dürfe der Senat Bauflächen „nicht verscherbeln“. Thomas Loy

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