Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg : Die Brache an der East Side Gallery wird bald bebaut

Lange passierte nichts – jetzt kommt der Hotelriegel an der East Side Gallery. Ob die Brommybrücke wieder aufgebaut wird, bleibt ungewiss.

Blickfang. Das Hochhaus Living Levels an der Spree.
Blickfang. Das Hochhaus Living Levels an der Spree.Foto: Thilo Rückeis

An der East Side Gallery darf jetzt zusammenwachsen, was zusammengehört: der nördliche Park an der Spree mit dem weiter südlich gelegenen East Side Park. Die bisher jede Entwicklung blockierende Brache dazwischen soll Anfang 2018 wie geplant mit einem breiten Riegel aus Hotel und Mietwohnungen bebaut werden. Das Projekt „Waterfront Living“ war jahrelang nicht vorangekommen, doch vor wenigen Wochen sei das Grundstück an internationale Investoren verkauft worden, sagte eine Sprecherin des Projektentwicklers Trockland. Der bisherige Eigentümer Alon Mekel aus Israel sei nicht mehr dabei.

127 Hotelzimmer und 62 Mietwohnungen für Singles und Familien sollen unter dem neuen Namen Pier 61/63 auf neun Etagen entstehen. Die Planung des Berliner Büros Eller + Eller werde übernommen, ebenso die Verpflichtungen aus der Baugenehmigung, sagte die Sprecherin.

Gemeint sind vor allem die Herstellung eines vier Meter breiten Uferweges, die Pflege des Mauerdenkmals, soweit es zum Grundstück gehört, und eine Zufahrt durch eine Maueröffnung an der Mühlenstraße, die auch von den Bewohnern des Hochhauses Living Levels genutzt werden kann. So sah es ein noch unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit 2013 geschlossener Kompromiss vor.

Das Kriegsbeil begraben?

Im Gegenzug sollte die sechs Meter breite Mauerlücke am Wohnturm geschlossen werden. Ob das so kommt, ist völlig offen. Eigentlich wäre die Baugenehmigung für den Hotelriegel im Februar ausgelaufen, doch auf Antrag der Eigentümer hat der Senat sie um ein Jahr verlängert. Dagegen hatte die Eigentümergemeinschaft von Living Levels im Dezember 2016 Klage eingereicht, parallel liefen Verhandlungen, die jetzt zu einer „Nachbarschaftsvereinbarung“ geführt hätten, wie Trockland mitteilte. Nur ein Eigentümer von Living Levels habe der Vereinbarung nicht zugestimmt. Zum Inhalt wollte die Trockland-Sprecherin nichts sagen.

Die Wohnungseigentümer von Living Levels werden weiterhin vom Bauherrn Maik Uwe Hinkel vertreten. Der war für eine Stellungnahme am Montag nicht zu erreichen. Auch Hinkels Anwalt wollte sich nicht äußern.

Die Mauer hat ein Loch

2021 sollen das Hotel und die „durchgängig begehbare Uferpromenade“ fertig sein. Damit würde ein Jahrzehnte währender Streit um die Nutzung des ehemaligen Todesstreifens nebst Hinterlandmauer zu Ende gehen. Die Kreuzberger Grünen hatten im Schulterschluss mit der Clubszene die Bauvorhaben an der East Side Gallery bekämpft.

Als Maik Uwe Hinkel im März 2013 das Mauerdenkmal durchbrach, um eine Zufahrt zu seinem Grundstück zu ermöglichen, löste er einen weltweiten Proteststurm aus. Prominente Unterstützer wie Baywatch-Star David Hasselhoff pilgerten nach Friedrichshain. Doch nicht viel später verebbte die spontane Protestwelle wieder.

Der inzwischen verstorbene Baustadtrat Hans Panhoff forderte den Senat vergeblich auf, das Grundstück für das Hotelprojekt aufzukaufen.
Zur Planung am Spreeufer gehört auch der Wiederaufbau der Brommybrücke als Fuß-und Radwegverbindung zwischen Kreuzberg und Friedrichshain. Der Brommysteg steht aber derzeit nicht auf der To-Do-Liste des Senats.

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