Berlin-Friedrichshain : Völlig abgebrannt: Umzug ruinierte junge Frauen

Keine Möbel, keine Kleider, nichts: Unbekannte zündeten den Lastwagen zweier Hamburgerinnen an, die gerade nach Berlin ziehen. Ihr Hab und Gut verbrannte. Und die Versicherungen zahlen nur wenig.

Tanja Buntrock
Abgebrannte Mädels Foto: Oliver Wolff
Vorm Nichts. Gyde S. und Lisa B. -Foto: Oliver Wolff

Das Handy klingelt im Minutentakt. „Es rufen so viele Leute an, die uns Möbel, aber auch Kleider spenden wollen“, sagt Lisa B. Die 28-Jährige und ihre Kollegin Gyde S., 26, können jetzt jede Hilfe gebrauchen. Sie haben nämlich so ziemlich alles, was sie je besessen haben, verloren. Weil unbekannte Brandstifter ihren geliehenen Umzugswagen am vorigen Sonnabend angezündet hatten. „Alles ist verbrannt. Alle persönlichen Dinge, Erinnerungen, Lieblingsklamotten – nur noch Schutt und Asche“, sagt Lisa B.

Die beiden Frauen, die gerade ihr Medizinstudium beendet haben, sind – wie berichtet – am Freitagabend mit dem geliehenen Lkw einer Catering-Firma von Hamburg nach Berlin umgezogen. Gegen 23.30 Uhr kamen sie in Friedrichshain an und stellten den 7,5-Tonner in einer Nebenstraße unweit ihrer neuen Wohnung ab. „Wir waren zu müde, um noch auszuladen“, erzählt Lisa B. Als die beiden Frauen am nächsten Morgen loslegen wollten, kam der Schock: Vor dem Umzugswagen arbeiteten Ermittler der Spurensicherung, Polizeibeamte erklärten ihnen, dass Unbekannte den Lkw gegen 7 Uhr in Brand gesteckt hatten. „Wir konnten so gut wie nichts mehr retten“, sagt Gyde S. Geblieben ist ihnen nur die Kleidung, die sie auf dem Leib trugen, wenige Sachen, die sie im Handgepäck hatten und ein paar Möbel, die sie vor ihrem Umzug für die neue Wohnung gekauft hatten: ein Bett, eine Lampe, eine Kommode. Nächsten Monat wollen die beiden Hamburgerinnen ihre Jobs als Assistenzärztinnen in einem Krankenhaus antreten.

Eines ist bereits jetzt klar: Die Hausratversicherung wird für das Desaster nicht aufkommen. „Die zahlen nur bei Schäden in der Wohnung“, sagt Lisa. Und die Autoversicherung ließ bereits ausrichten, dass sie nur den Zeitwert des ausgebrannten Autos übernehmen werde. Die Entsorgung des verkohlten Lkw und die Beseitigung des Schutts falle hingegen nicht in ihre Zuständigkeit. „Darum müssen wir uns jetzt auch noch kümmern“, seufzt Gyde S. Sie hat neben ihren persönlichen Sachen auch wichtige Unterlagen und Manuskripte für ihre Doktorarbeit verloren. Ihre Freundin muss noch verkraften, dass all ihre Medaillen und Urkunden, die sie als Rhönradfahrerin errungen hat, für immer verloren sind. Ganz zu schweigen von sämtlichen Medizin-Fachbüchern…

Die Polizei schließt nicht aus, dass es Linksextreme waren, die den Brandanschlag verübt haben. Wahrscheinlich haben sie das Fahrzeug wegen des Catering-Aufdrucks ausgesucht. Die jungen Ärztinnen wollen trotzdem in Berlin bleiben. „Wir fühlen uns hier eigentlich sehr wohl“, sagen sie. Doch eines wird Lisa B. sofort tun: Den Aufdruck an ihrem Smart entfernen. Denn den ziert auch das Logo der Catering-Firma ihres Bekannten. „Nicht, dass der auch noch abgefackelt wird.“

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