Berlin-Friedrichshain : Yoga statt Techno für die Clublandschaft

Die "Magdalena" lockte Clubgänger zum Osthafen, bis der Club Anfang des Jahres wegen Insolvenz geschlossen wurde. Im neuen "1 Stralau" soll alles anders werden.

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Events mit Ausblick. Alexander Skornia leitet das Geschehen im 1 Stralau. Gefeiert wird hier wohl seltener, dafür gibt es Streetfood-Events, einen Biergarten und bald auch Yogakurse.
Events mit Ausblick. Alexander Skornia leitet das Geschehen im 1 Stralau. Gefeiert wird hier wohl seltener, dafür gibt es...Foto: Foto: B. v. Jutrczenka/dpa

Vielleicht beruhigt es die Fans des insolventen und seit Beginn des Jahres geschlossenen Clubs Magdalena in Friedrichshain ja, dass ihr Horrorszenario nicht eingetreten ist. Befürchtet hatten sie, dass die neuen Betreiber – eine Investorengruppe rund um die Proll-Disco Matrix – das frühere Kraftwerk am Osthafen in einen Tanzschuppen ohne Niveau verwandeln würden.

Ein „Urban Beergarden“

Doch im Nachfolger der Magdalena werden vorerst kaum Partys stattfinden. Das 1 Stralau – so nennt sich der Magdalena-Nachfolger nun – versteht sich vor allem als „Urban Beergarden“ und „multifunktionale Eventlocation“. So beschreibt es zumindest Betriebsleiter Alexander Skornia, der bis vor Kurzem noch in leitender Funktion im Matrix gearbeitet hat.

Firmenpräsentationen, Ausstellungen, sogar Yogakurse kann sich Skornia an seiner neuen Wirkungsstätte vorstellen. Club und weitläufiger Außenbereich sollen möglichst für Fremdveranstalter vermietet werden. Falls von diesen jemand dann doch einmal eine Party schmeißen möchte, sei das kein Problem. Die opulente Musikanlage, einst der ganze Stolz ihrer vorherigen Besitzer, hat man aus der Insolvenzmasse der Magdalena übernommen.

Von der alten Atmosphäre ist nicht mehr viel übrig

Wer die alte Magdalena kannte, wird schnell feststellen, dass im 1 Stralau von deren Atmosphäre nicht mehr viel übrig ist. Der Technoclub war eine verwinkelte und dunkle Partyhöhle, die nun kräftig durchgelüftet wurde. Ganze Wände wurden herausgerissen, Fensterabdeckungen entfernt, um mehr natürliches Licht in die Räume fluten zu lassen, und der dritte Stock, eine Art Loftbereich, wurde gleich ganz neu erschlossen.

Das Dachgeschoss ist das neue Prunkstück des Clubs

Man hat einen wunderbaren Blick auf die Spree von hier oben, das Dachgeschoss ist somit sicherlich das neue Prunkstück des Clubs. Der opulente Außenbereich, in dem sonntags die After Hour gefeiert wurde, ist nun von einem fließenden Wasserlauf durchzogen, der das Gelände viel geordneter und strukturierter erscheinen lässt.

Außerdem gibt es zwei Basketballplätze, die in Verbindung mit den Liegestühlen, die überall auf dem künstlichen Sandstrand herumstehen, wohl die „gechillte Großstadtatmosphäre“ heraufbeschwören sollen, mit der das 1 Stralau auf seiner Homepage wirbt.

„Wir hatten uns da ein wenig verschätzt und uns sicherlich auch übernommen.“

Ungefähr eine halbe Millionen Euro haben die Umbaumaßnahmen gekostet, sagt Alexander Skornia. Und noch immer ist nicht alles fertig, der Loftbereich etwa befinde sich noch im Baugenehmigungsverfahren. Die Yogakurse, die hier oben stattfinden sollen, müssen also noch ein wenig mit ihrem Einzug in das 1 Stralau warten.

Man dachte eigentlich, die Umbaumaßnahmen seien eher fertiggestellt, gibt Skornia zu. Darum war die für Anfang Juli geplante Eröffnungsfeier spontan abgesagt worden. „Wir hatten uns da ein wenig verschätzt und uns sicherlich auch übernommen.“ Nun hat man die Location eher still und leise ohne die ganz große Einweihungsparty geöffnet und werkelt bei laufendem Betrieb nebenbei weiter an ihr herum.

DJ-Superstar Paul Van Dyk will hier sein neues Album präsentieren

Neulich kamen beim African Food Festival an einem Wochenende immerhin 7500 Gäste, erzählt Alexander Skornia, das sei schon ein richtiger Erfolg gewesen, weshalb in drei Wochen schon die nächste Ausgabe ansteht. Schon am 15. und 16. September wird unter dem Stichwort „El Grito Viva Mexico“ zu einer Art von mexikanischem Volksfest geladen, eine Woche später steigt das „Gin & Tonic Festival“, im Anschluss wird es wild bei der monatlichen Queer-Party „Beast“ – die gab es bereits in der Magdalena. Mitte Oktober dann will DJ-Superstar Paul Van Dyk sein neues Album hier präsentieren.

Skornia ist froh, dass nicht nur Hipster im 1 Stralau abhängen

Solange die Temperaturen es zulassen, läuft es im 1 Stralau eigentlich ja auch ganz von alleine. Täglich ab 13 Uhr ist geöffnet und das wurde auch in der unmittelbaren Nachbarschaft registriert, glaubt Skornia. „Schon mittags kommen Gäste aus Stralau vorbei, um bei uns ein Bier zu trinken, und abends treffen sich manche, um Schach zu spielen.“ Dass nicht nur Hipster hier, in unmittelbarer Nähe zu Szene-Clubs wie der Ipse und der Wilden Renate abhängen, finde er richtig gut, sagt Skornia.

Weihnachtsmärkte und Winterflohmärkte sind auch denkbar

Gerade sei er aber natürlich auch dabei, zu schauen, wie es weitergeht, wenn kälteres Wetter die Nutzung des Außenbereichs als Strandbar für dieses Jahr beendet. „Weihnachtsmärkte oder Winterflohmärkte, auch so etwas ist denkbar“, sagt er. Theoretisch könnten sich ja auch die ehemaligen Betreiber der Magdalena für eine Veranstaltung im 1 Stralau einmieten. Deren „Magdalena im Exil“-Partys finden aktuell im Yaam-Club an der Schillingbrücke statt.

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