Berlin : Berlin geht wieder essen

Restaurantbesitzer atmen auf – die Geschäfte laufen besser. Köche werben mit neuen Ideen

-

Berlins Wirte und Restaurantbesitzer sehen erste Anzeichen für eine Belebung ihres Geschäfts. „Insgesamt geht ein Ruck durch die Stadt“, sagt KlausDieter Richter, Vizepräsident des Vereins „Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin und Umgebung“ und Chef des Restaurants „Kolk“. Die Menschen seien nach geizigen Jahren wieder eher gewillt, Geld auszugeben. Die Statistiker geben ihm Recht. Das Statistische Landesamt erwartet für das erste Quartal ein leichtes Umsatzplus von 0,3 Prozent.

Das ist nicht viel, aber vielleicht die Trendwende, auf die die Wirte schon lange warten. Denn ihr Umsatz sinkt seit langem, zuletzt im Jahr 2004 um 7,1 Prozent. Der Umsatz des Berliner Gastgewerbes lag 2004 im Durchschnitt bei nur noch 74,7 Prozent des Umsatzes aus dem Jahr 2000. Zum Gastgewerbe zählen Hotels, Pensionen, Gaststätten und Kantinen sowie Catering-Betriebe.

„Die etwas besseren Zahlen zeigen, dass wir wieder stabile Strukturen haben, daher Angestellten- und Azubi-Stellen halten können“, sagt Richter. Für ihn ist diese neue Stabilität ein Ergebnis vieler Kräfte. „Das Marketing der Stadt ist besser geworden, etwa durch die Winterzauber-Aktion, die weltweit Berlin bewarb.“ Ein Mehr an Touristen, vor allem amerikanische Kurzurlauber, könnten alle Gaststätten bemerken.

Zudem erlebt Richter „eine neue Generation von Gastronomen“. Die miteinander kooperieren, statt sich als Einzelkämpfer zu begreifen. Erfolgversprechend sei es, wenn beispielsweise Hotel, Restaurant und Kino gemeinsam werben. Dabei sollten nicht Rabatte im Vordergrund stehen, etwa: Mit Kinokarte kostet das Essen zwei Euro weniger. Stattdessen solle das Ausgehen zu einem besonderen Erlebnis werden. Denn: „Heute geht man ja auch in den Hackeschen Höfen einkaufen, nicht im Laden XY“, so Richter.

Ein Beispiel für eine solche Zusammenarbeit: Die Aktion „Kreuzberg kocht“. Herbert Beltle, stellvertretender Fachgruppenvorsitzender Gastronomie des Hotel- und Gaststättenverbandes hatte die Idee, sechs gehobene Restaurants zusammenzubringen, draußen Tische und Kochstationen aufzubauen, und so den Gästen auf einen Schlag verschiedene Kochstile zu zeigen. „Kreuzberg kocht“ gab es erstmals 2004 beim Bergmannstraßenfest. Beltle, der auch Chef des Restaurants „Altes Zollhaus“ ist, sah den Erfolg direkt: „Manche Gäste kamen drei Tage hintereinander – sonst wären sie vielleicht nur einen Tag auswärts essen gegangen.“jea

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben