Berlin : Berlin gibt’s nicht nur einmal

Von Paech-Brot-Reimen bis Edgar-Wallace-Filmen: Ein Buch präsentiert die Stadt als ein Kessel Buntes.

In der Nacht auf den 10. Juni 1909 lief das britische Passagierschiff RMS „Slavonia“ vor der Azoren-Insel Flores auf Grund. Zwei deutsche Schiffe, durch Notrufe alarmiert, eilten zu Hilfe, Mannschaft und Passagiere des später auseinandergebrochenen Havaristen überlebten. Ihre Rettung verdankten sie indirekt Berlin. Hier war am 3. Oktober 1906 auf der Internationalen Funkkonferenz das Notrufzeichen SOS festgelegt und damit die Konkurrenz der Systeme von Marconi und Telefunken beendet worden. Die „Slavonia“ hatte das Zeichen erstmals gesendet – mit Erfolg.

Eine recht vergessene Episode aus der Stadtgeschichte – nachzulesen in „Absolut Berlin“, einem von dem Autor Axel Schock vorgelegten „Berlin-Sammelsurium“. Andere Details sind präsenter und sogar gereimt wie die Werbesprüche der 1992 dahingeschiedenen Moabiter Brotfabrik Paech-Brot: „Oh, wie schimpft der Opapa – die Oma hat kein Paech-Brot da.“ Und Kult sind die Edgar-Wallace-Verfilmungen made in Berlin, die in besonderer Weise mit der Pfaueninsel verbunden sind: Für gleich sechs Filme, darunter „Neues vom Hexer“ und „Der Mönch mit der Peitsche“, entstanden Außenaufnahmen auf der Havelinsel.

Sammelsurium – der Untertitel ist treffend. Das Buch ist ein unterhaltsames Nachschlagewerk zu Berlin, aber eines, dass man nicht gezielt nach einem Stichwort durchsuchen kann, sondern durch dass man sich am besten treiben lässt, von Zufallsfund zu Zufallsfund. Auf „Feuchtgebiete“ – das sind die 53,76 Quadratkilometer Fläche der hiesigen Gewässer – folgt die „1. urkundliche Erwähnung“ im Jahre 1237, darauf „Der Berliner Schuldenberg“. Manches ist darunter, was man vielleicht gar nicht wissen wollte, etwa die Zahl der Toiletten im Olympiastadion (456 Pissoires und 86 WC für Herren gegenüber 156 WC für Damen). Zudem gibt es Berlin nicht nur einmal, sondern in mindestens 118 Varianten: über den Erdball verstreute Namensvettern. Andere Informationen hat die Zeit bereits überholt. Die „hippe Out-Door-Location Bar 25“ ist schon Geschichte. ac

Axel Schock: Absolut Berlin. Das Berlin-Sammelsurium. Hirschkäfer-Verlag München. 224 Seiten, 16,90 Euro

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