Berlin : BERLIN  GLOSSAR

RZugereiste

Kamen früher überwiegend aus Böblingen und Umgebung, heute auch aus Porto Alegre oder der Bay Area. Sehen in Berlin gern eine wachzuküssende Schönheit, die an die bis dato hier Lebenden nur verschwendet ist. Machen deshalb vom Start weg Kunst und/oder Gastro für

sich und andere „Expats“ (Zugereisten- Deutsch für „Zugereiste“). Gehen nach Auslaufen ihres Stipendiums meist in ihre Heimatländer zurück. Wer bleibt, sucht sich eine nette Nische und wird früher oder später zum RSpießer.

RSpießer

In Berlin keine Gartenzwergklientel, sondern ehemalige RZugereiste, die nun, in erbitterter Feindschaft zu den aktuellen Zugereisten, um den Erhalt ihrer Nische kämpfen. Berliner S. verspüren eine diffuse Sehnsucht nach illegalen Clubs sowie Musikstilen und sozialen Bewegungen der Vergangenheit.

Ihre Gegenwart ist geprägt von Abwehrgefechten, nicht zuletzt gegen die illegalen Clubs in ihrer Nachbarschaft. Größte Angst: irgendwann in Marzahn oder Spandau leben zu müssen.

RSpekulant

Langjähriges Feindbild Nummer eins der Berliner RSpießer. Däne, Amerikaner oder Westdeutscher mit Aktenkoffer und ekligem Grinsen. Heißt jetzt immer öfter „Heuschrecke“ und ist damit zwar kleiner, aber beinahe noch ekliger geworden. Macht nach eigener Aussage einfach seinen Job, verteuert also Wohnungen, wo es nur geht. Spekulationen, dass sein Treiben dem Flair der Stadt und damit langfristig auch dem eigenen Geschäft schaden könnte, sind dem S. dabei eindeutig zu spekulativ.

RUnterschicht

Bevölkert den öffentlichen Raum mit Molle, Kampfhund und Hang zum Fatalismus; auch weil es nach zwei bis vier Jahrzehnten mit besserwisserischen Neuzugängen im Innenstadtkiez irgendwann egal ist, wer einen nach

Marzahn oder Spandau verdrängt. Würde von den RSpießern eigentlich gebraucht, um angesichts der wachsenden Zahl RZugereister ein Bündnis gegen die RSpekulanten zu schmieden. Bleibt sich weltgeschichtlich aber darin treu, den Aufstand der Mittelschicht zu überlassen.

RMaskenschwein

Das chinesische M., auch Meishan- Schwein (Sus scrofa domestica),

gilt als älteste lebende Schweinerasse. Kennzeichen: haarloser Körper, gestauchte Schnauze („Maske“). Hat mit all dem anderen nix zu tun, dafür aber supersüß zerknautschte Nachkommen. Jüngstes Beispiel: Ferkel „Gerda“ im Tierpark Friedrichsfelde, das sich von den Spitzenkandidaten von CDU und SPD dekorativ im Arm halten ließ. Fast so dekorativ wie ein RSpekulant, in jedem Fall dekorativer als ein Mitglied der RUnterschicht.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben