Berlin-Glosse "Von Tag zu Tag" : Im Papierkrieg

Kolumnist Bernd Matthies glaubt, so mancher Wahlzettel werde dem Bürger am Sonntag wie eine einzige Verschwendung erscheinen. Trotzdem ist das noch besser als die Ereignisse im brandenburgischen Ort Michendorf. Denn dort gab es eine ziemlich ungewöhnliche Wahlpanne.

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Am Sonntag haben die Bürger die Wahl - und das mehrfach.
Am Sonntag haben die Bürger die Wahl - und das mehrfach.Foto: dpa

Vielen Wählern wird es wie Verschwendung erscheinen: Der Wahlzettel für Europa ist 75 Zentimeter lang – und das alles für nur ein einziges Kreuz? Etwas besser sieht das Fläche-Kreuze-Verhältnis beim Thema Flugfeld aus, und wer dann noch gebeten ist, sich zur Laubenkolonie Oeynhausen zu äußern, der wird das schon richtig normal finden – Wahlkabinenroutine.

Doch was sollen die Brandenburger sagen? Ihnen wird am Sonntag auch noch der Zettel für die Kommunalwahl ausgehändigt, für Gemeindevertreter, Kreistag und Ortsbeiräte. Und das ist dann insgesamt, als leere man seinen Briefkasten nach dem Urlaub: Ein Haufen Papier, großes Geraschel, langes Sortieren. Und wie kriegt man das dann alles in die Urne?

Ausnahme: Michendorf. Da liegen die Dinge noch einmal anders, denn dort wurde ein Novum gedruckt: ein fehlerhafter Zettel für die Gemeindevertreterwahl. Der SPD-Mann Christoph Hoffmüller hatte beim Briefwählen am Dienstag vermutlich die legitime Absicht, sich selbst zu wählen, aber das ging nicht, weil sein Platz 22 schlicht fehlte, ebenso ein Kandidat der Unabhängigen. Ergebnis: Dieser Teil der Wahl kann am Sonntag nicht stattfinden und wird vermutlich am Rande der Landratswahl im September nachgeholt werden. Ein Stück Wahlkampf war umsonst.

Und ein Haufen bedrucktes Papier auch. Äh, Google: Könnt ihr da nicht mal was Elektronisches erfinden?

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