Berlin: Goya-Pleite : Als "Metropol" war der Club einer der hippsten der Stadt

Einst inszenierte hier der berühmte Regisseur Erwin Piscator, später spielten im damaligen "Metropol" am Nollendorfplatz David Bowie oder Nina Hagen. Zuletzt hieß der Club Goya - und ist jetzt pleite. Die Türen des Hauses müssen dennoch nicht lange geschlossen bleiben.

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Das Goya am Nollendorfplatz ist pleite. Foto: imago
Das Goya am Nollendorfplatz ist pleite.Foto: imago

„Eine Sanierung ist nicht mehr möglich, der Geschäftsbetrieb ist schon eingestellt“, sagt Stefan Koch. Das Goya ist pleite und Koch ist ein Mitarbeiter des Insolvenzverwalters, der die „Nollendorfplatz 5 Betreibergesellschaft“ abwickelt. So heißt die Firma von Michael Andler, der vor rund vier Jahren alles besser machen wollte – nachdem er das Goya vom damalige Betreiber übernahm, aus der Insolvenz. Zusammen mit einem Partner, der in der Schwulenszene des Quartiers gut verwurzelt ist, wollten die beiden das Goya auch an wechselnde Veranstalter weitervermieten. Ü30-Partys standen auf dem Programm – für After-Show-Partys, Empfänge, Präsentationen, Modeshows und Events für 2 bis 1500 Personen eigneten sich die Räume, heißt es auf der Website, die noch im Netz steht.

Einen Limousinen-Service bot Andler außerdem noch an – mit einer Flotte von Fahrzeugen von Skoda, eher untypisch für die Branche. Gemessen an der Halbwertzeit seines Vorgängers hielt Andler richtig lange durch. Peter Glückstein ging nach ein paar Monaten das Geld aus. Was aus ihm wurde, weiß nicht mal der Vermieter. Glückstein hatte richtig große Pläne: Eine Aktiengesellschaft für Berlins Party-Könige hatte er gegründet, die den Umbau finanzierten und alleine Zutritt zum zweiten Geschoss hatten. Stararchitekt Hans Kollhoff hatte dafür das Metropol stil- und geschmackvoll ausgebaut: Die düstere Location, in der zuvor die Hedonisten vom Kit-Kat-Club ihre wilden Partys mit striktem Dresscode gefeiert hatten, war nicht wiederzuerkennen.

Räume werden derzeit renoviert

Vielleicht war die Zeit am Nollendorfplatz noch nicht reif für einen edlen Club mit poliertem Stein, großen Spiegelflächen und rotem Teppich – eine Einrichtung, die eher zum Potsdamer Platz passen würde als in den Schöneberger Kiez. Und schon gar nicht stand der Luxus in der Tradition des Hauses, in dessen Anfangsjahren der Avantgarde-Regisseur der Weimarer Republik, Erwin Piscator, mit kargen Bühnenbildern und politischem „proletarischen“ Theater das Berliner Bürgertum brüskierte.

Seltener Anblick. Gut gefüllt war das Goya noch bei der spektakulären Eröffnung nach dem Umbau im Jahr 2005, finanziert von 2000 Aktionären. Foto: dpa
Seltener Anblick. Gut gefüllt war das Goya noch bei der spektakulären Eröffnung nach dem Umbau im Jahr 2005, finanziert von 2000...Foto: dpa

Dass nach dem Aus für das Goya die Türen zum Hauptportal unter dem gewaltigen Rundbogen lange geschlossen bleiben könnten, befürchtet der Verwalter des Gebäudes nicht. Die Schließung des Goya hat sich in der Branche rumgesprochen. Bei Verwalter Jürgen Blume haben schon Betreiber anderer Berliner Clubs angerufen, die das Jugendstil-Gebäude am Nollendorfplatz mieten wollen, um dort ein zweites Haus zu öffnen. Blume muss sie vertrösten: „Wir müssen zuerst die Arbeiten im Innenraum abschließen“. Die Handwerker renovieren zurzeit die Räume, das Inventar wird überprüft, geleaste Kühlschränke und ähnliche Geräte zurückgegeben.

Glanzzeiten als „Metropol“

Auch auf einen Anruf des Zwangsverwalters wartet Blume noch, um offene Forderungen abzustimmen. Summen von mehreren hunderttausend Euro stehen im Raum. Warum das Goya-Konzept nicht aufging, weiß er nicht. Genügend Veranstaltungen habe es schon gegeben, so sein Eindruck. Betreiber Andler „ist für uns auch nicht erreichbar“. Ein Mitarbeiter habe die Schlüssel übergeben.

Zu seinen vorerst letzten Glanzzeiten war das „Metropol“ eine der bekanntesten Diskotheken der Stadt, mit spektakulärer Lasershow und angesagten DJs, die das Metropol in einem Atemzug mit New Yorks Club 54 nannten. Es gab einen „Metropol-Sound“ und „Metropol-Charts“ – sogar eine eigene Währung: den „Metropol-Dollar“. Das war in den 1980er Jahren, Berlin war noch durch eine Mauer geteilt – aber es gab schon „die Ärzte“, deren Mitbegründer Bela B. im Metropol ebenso gesichtet worden sein soll wie Mitglieder von Westberlins Lärmvirtuosen, den „Einstürzenden Neubauten“.

Westberlins prominenteste Flüchtlinge – aus dem überdrehten globalen Pop-Betrieb David Bowie und aus der real existierenden DDR Nina Hagen – spielten unter dem historischen Gewölbe groß auf, aber auch Newcomer wie Depeche Mode oder Human League. Die Ära endete mit einem Knall: dem Fall der Mauer. Danach zog das Szenevolk still ab und der Patina jener historischen Gemäuer am Nollendorfplatz die echten Ruinen des Tacheles an der Oranienburger Straße vor – die standen im damals hipperen (neuen) Teil der Stadt, im Osten.

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