Berlin-Hamburg : Bahnstrecke nach Hamburg für drei Monate gesperrt

Die erst im Dezember 2004 eröffnete Schnellverbindung muss im kommenden Jahr saniert werden. Die Betonschwellen zerbröseln.

Jörn Hasselmann

Die erst im Dezember 2004 eröffnete Schnellstrecke der Bahn zwischen Berlin und Hamburg muss im kommenden Jahr für drei Monate voll gesperrt werden. Auf mehreren Teilstücken müssen zehntausende Schwellen wieder ausgetauscht werden. Der Fernverkehr in die Hansestadt wird in dieser Zeit über Stendal und Uelzen umgeleitet. Damit verlängert sich die Fahrzeit nach Bahnangaben um 30 Minuten auf zwei Stunden. Im Nahverkehr müssen Reisende vom Regionalexpress auf den Bus umsteigen, um den Abschnitt zu überbrücken. Nach derzeitigem Stand der Planung ist die Totalsperrung auf März bis Juni terminiert.

Eine Vollsperrung gilt bei Bahnexperten als kundenfreundlichere Alternative zu einer zeitlich gestaffelten Sanierung. In diesem Fall würde an Wochenenden und nachts gearbeitet, die Kunden würden zwei Jahre lang leiden. Die Kosten sollen dem Vernehmen nach im einstelligen Millionenbereich liegen. „Das größte Ärgernis ist die Erschwernis für den Kunden“, betonte Bahnsprecher Martin Walden. Die Bahn sei Opfer mangelhaften Materials. In den in einem Betonwerk in Mecklenburg-Vorpommern gefertigten Schwellen vertragen sich die Bestandteile nicht, sie zerbröseln langsam. Ein ähnliches Problem hatte es zu DDR-Zeiten bereits bei der Reichsbahn gegeben. Die Bahn betonte, dass es keinerlei Sicherheitsrisiko gebe. Gutachter hätten die Stabilität geprüft, auch das Eisenbahnbundesamt – eine Art Tüv für die Bahn – sehe kein Risiko, sagte Walden.

Die 290 Kilometer lange Verbindung nach Hamburg gilt seit 2004 als Paradestrecke der Bahn. Täglich werden zwischen den beiden größten deutschen Städten 10 000 Fahrgäste gezählt, im vergangenen Jahr hatte die Bahn stolz einen Zuwachs von fast 50 Prozent innerhalb von zwölf Monaten vermeldet. Seit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2004 dauert die Fahrt nur noch 90 Minuten bei Tempo 230. „Die Züge sind sehr gut ausgelastet“, sagte Walden.

Die Bahn muss nun Betonschwellen erneuern, die erst in den 90er Jahren dort eingebaut worden sind. „Wir mussten damals davon ausgehen, dass die Schwellen bedeutend länger halten“, sagte Bahnsprecher Walden am Sonntag. Die Strecke war als „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit“ zwischen 1992 und 1997 für zwei Milliarden Euro von Grund auf erneuert, durchgehend zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert worden. Damals war aus politischen Gründen die Strecke nur für Tempo 160 ausgelegt worden, weil zu jener Zeit noch der Transrapid als Schnellverbindung geplant war. Als dann im Februar 2000 die Bundesregierung das Aus für die Magnetschwebebahn verkündete, musste die Strecke ein zweites Mal, nun für Tempo 230 ausgebaut werden. Für diese hohe Geschwindigkeit mussten alle Bahnübergänge mit hohen Aufwand durch Brücken oder Tunnel ersetzt werden, dies ist Vorschrift. Doch die Schwellen aus den 90er Jahren blieben liegen. Das Argument damals: Es ist nur ein Ausbau, kein Neubau. Durch den Termin im kommenden Jahr, der im Zuge der normalen Instandhaltung erfolgt, haben alle Kommunen und Verkehrsunternehmen Zeit, sich vorzubereiten, sagte Walden.

Der Fernverkehr wird in diesen drei Monaten über Stendal und Salzwedel/Uelzen umgeleitet. Diese Strecke ist jedoch nach der Wiedervereinigung nur eingleisig wiederhergestellt worden. Verspätungen eines Zuges bremsen deshalb vor allem den Verkehr in die andere Richtung.

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