Berlin : Berlin-Hamburger Doppel

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Eine Anwaltskanzlei als Ort für ein festliches Abendessen? Da muss man wohl Lore Maria PeschelGutzeit sein, frühere Justizsenatorin in Berlin und Hamburg, eben siebzig geworden und seit ein paar Monaten – in einem Alter also, in dem auch Unentwegte mit dem Ruhestand Ernst machen – Mitglied einer Berliner Anwaltssozietät. Der Geburtstagsempfang am Morgen galt der Öffentlichkeit, der Abend in den prächtigen Altbau-Räumlichkeiten der Kanzlei Wolfgang Zahn am Kurfürstendamm der Familie und Freunden – denn, so Lore Maria Peschel-Gutzeit – „Familie und Freunde bleiben“. In ihrem Fall bleibt ziemlich viel, wie man an der Zahl der Gäste und den nicht weniger als zehn Reden sehen konnte.

In ihnen spiegelten sich die erfolgreiche Laufbahn und die unermüdliche Aktivität: Erste weibliche Oberlandesgerichtspräsidentin in Hamburg, dreifache Senatorin – in Hamburg bekleidete sie das Amt zweimal –, Rechts-Reformerin auf dem Gebiet des Familienrechts, immer ganz vorn im Ringen um die Gleichberechtigung der Frauen. Natürlich wurde der Reden-Reigen zu einem Berlin-Hamburger Doppel. Teil berlinerisch, teils hamburgisch, liebevoll und anekdotenreich kolorierten ihre einstigen Mitarbeiter das Bild des Temperament-Ereignisses Peschel-Gutzeit. Und die Gäste – von Justizsenatorin Karin Schubert bis zu Verlegerin Friede Springer – sahen geradewegs vor sich, wie sich die – groß gewachsene – Senatorin „gerade machte“, um in ihrem Amt in Hamburg zu erklären, „in Berlin macht man das so“, in Berlin natürlich vice versa. Senator Klaus Böger borgte sich das Schlusswort sozusagen posthum bei Wolfgang Grunert aus. Der hatte bei ihrer Berufung nach Berlin gelästert: „Lore-Maria-Peschel-Gutzeit – das ist bei uns eine ganze Damen-Staffel. Rdh.

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