Berlin : Berlin hat den Dreh raus

Aus der Filmbranche kommen Komplimente: für gute Produktionsbedingungen und gute Festivals

Matthias Oloew

Egal, wer bei der Filmpreisverleihung morgen als glänzender Sieger dasteht, ein Gewinner steht schon fest: es ist die Filmregion Berlin-Brandenburg. Die Stadt ist als Kulisse für internationale Produktionen gefragt. Mehr noch: „Berlin gilt in den USA als Synonym für den Film“, weiß Jürgen Schau, Chef der US-Produktionsfirma Columbia-Tri-Star, die im Sony-Center ihren Deutschland-Sitz hat.

Das Kompliment deckt sich auch mit Erfahrungen, die der Filmboard Berlin-Brandenburg von den Festspielen aus Cannes mitgebracht hat. „Das Interesse, in Berlin zu drehen, ist sehr groß“, sagt Sigrid Herrenbrück, Sprecherin des Filmboards, der Filmproduktionen finanziell fördert. Außerdem hat die Stadt und die Region durch die programmlich aufgefrischte Berlinale gewonnen. „Ich bin in Cannes so oft angesprochen worden, wie toll Berlin als Festivalstadt ist“, sagt Rolf Bähr. Das hat den Vorstand der Filmförderungsanstalt nicht nur gefreut, sondern auch überrascht. Berlins Image als Filmstadt sei durch die neue Festivalleitung viel besser geworden, sagt Bähr.

Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer arbeiten in der Region Berlin rund 10500 Menschen in der Branche – Tendenz weiter steigend. Die Zuschüsse des Filmboards sind nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) eine „sinnvolle und langfristig ertragreiche Maßnahme für die Stadt“. Kein Wunder also, wenn der Subventionstopf bislang weniger als andere öffentliche Kassen von den Sparzwängen betroffen ist. Knapp 17,5 Millionen Euro hat der Filmboard im vergangenen Jahr in 178 neue Filmprojekte gesteckt – nicht alle davon werden freilich in der Region gedreht.

Große Filme, wie der für den Filmpreis gleich mehrfach nominierte „Good Bye, Lenin“, oder der derzeit noch in der Stadt gedrehte „In 80 Tagen um die Welt“ stärken darüber hinaus den Ruf Berlins als Filmstadt. „So etwas bringt Publicity und schafft bessere Vermarktungschancen“, sagt Christoph Ott, der mit seiner Produktions- und Verleihfirma am Kurfürstendamm sitzt. Aber noch etwas macht den Standort Berlin für die Filmleute interessant: Im internationale Vergleich sind die Produktionskosten in Berlin und Brandenburg deutlich niedriger als in den Studios und Städten der westeuropäischen Nachbarländer.

Um die Kräfte der deutschen Studios zu bündeln, schlägt Jürgen Schau ein gemeinsames Marketing vor. „Ausländische Produzenten müssen für Deutschland einen Ansprechpartner haben, ein Büro, das dann die idealen Drehorte vermittelt. Man kann keinem Amerikaner klar machen, was der Unterschied zwischen Babelsberg und Adlershof ist“, sagt Schau. Standort dieses zentralen Filmbüros sollte Berlin sein.

Besonders gut läuft es derzeit für die Berliner Produktionsfirma X-Filme, das mit „Good Bye, Lenin“ einen riesigen Erfolg verbucht. Mehr als 5,7 Millionen Kinokarten sind verkauft.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar