Berlin : „Berlin hat ein Imageproblem“

FU-Präsident Lenzen über Chancen, Gelder und den Wissenschaftsruf der Stadt

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Herr Lenzen, die Freie Universität ist nicht Eliteuni geworden. Wie geht es jetzt weiter?

Zunächst einmal sage ich: Noch sind wir nicht Eliteuniversität geworden, wir haben eine Chance in der zweiten Runde. Es sind nur drei Unis ausgewählt worden, darunter zwei Technische Hochschulen. Die einzige, mit der wir vergleichbar sind, ist die Universität München. Die liegt in allen Rankings auf dem ersten Platz. Insofern ist das Ergebnis völlig in Ordnung. Wir werden unseren Weg unbeirrt fortsetzen, den wir eingeschlagen haben, insbesondere den Weg zu einer internationalen Netzwerkuniversität. Ich hoffe, dass wir bei der nächsten Runde noch einmal bestehen werden.

Die FU genauso wie die HU und TU waren auch bei den wichtigen, mit 6 Millionen Euro dotierten Exzellenzclustern – also großen Forschungsvorhaben – erfolglos. Wie erklären Sie sich das?

Die Frage ist an die Gutachter zu richten. Jetzt im Rennen war für uns nur noch ein Cluster, das Projekt „Global Governance“ in den Politikwissenschaften. Der Antrag enthielt auch Elemente der Politikberatung. Das ist bei der Begutachtung aber kritisiert worden. Es muss jetzt grundsätzlich darüber diskutiert werden, wie das Selbstverständnis des Wettbewerbs ist. Soll es sich um Anträge handeln, die anwendungsorientiert sind oder nicht?

Was muss sich ändern, damit Berlin in der zweiten Runde besser abschneidet?

Auf keinen Fall darf die Frage nach weiteren Haushaltskürzungen aufkommen. Es gibt schon jetzt einen deutlichen Unterschied zu bayrischen Universitäten. Wenn sie den Haushalt der TU München mit dem der TU Berlin vergleichen, haben beide 400 Millionen Euro. Die TU Berlin muss aber daraus ihre gesamten Pensionen, Krankenversorgungen und Hochbauten bezahlen, die Münchner nicht. So haben die Münchner im Endeffekt etwa 50 Prozent mehr Geld.

Sollte ein runder Tisch für die Wissenschaft gebildet werden, wie einige vorschlagen?

Was sicher nicht notwendig ist, sind Leute, die meinen, sie können es besser und sie arrangieren jetzt Vorhaben über die Universitäten hinweg. Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Berlin hat ein Imageproblem als Wissenschaftsstadt. Berlin wird wahrgenommen als ein Ort für Tourismus und Events. Das ist gut so. Aber es wird nicht wahrgenommen, dass auf demselben Niveau Wissenschaft betrieben wird. Ein Urteil, das auch bei denen erstmal überwunden werden muss, die Entscheidungen treffen.

Die Fragen stellte Tilmann Warnecke

Dieter Lenzen (58)

ist Präsident der Freien Universität Berlin. Der Erziehungswissenschaftler leitet seit 2003 die mit mehr als 35 000 Studierenden größte Universität in Berlin.

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