Berlin : Berlin hat wieder Geld – für gute Ideen

In einem Wettbewerb können kleine IT-Firmen bis zu 500 000 Euro Fördermittel gewinnen

Miriam Schröder

„Ich möchte Manfred Meier sprechen“, sagt Jackson Bond laut und deutlich in den Raum. Vor ihm auf dem Tisch liegt sein Mobiltelefon. „Sie wollen Manfred Meier geschäftlich mobil?“, fragt das Gerät laut und deutlich zurück. „Ja“, erwidert Bond. „Ich verbinde“, sagt das Handy. „Wenn wir Telefonnummern oder Adressen suchen, verlieren wir jeden Tag eine halbe Stunde“, sagt Bond. Die kann man sich sparen, findet der US-Amerikaner. Daher hat seine Berliner Firma 8hertz technologies eine Spracherkennungs-Software entwickelt, die Zugriff auf eine Datenbank per Mobiltelefon ermöglicht.

Die Informations- und Kommunikationsbranche gehört zu den Wirtschaftszweigen, die der Berliner Senat besonders fördern will. Denn ähnlich wie Biomedizin und Optische Technologie verspricht sie hohe Wachstumsraten. Ein wichtiges Förderelement ist das „Programm zur Förderung von Forschung, Innovationen und Technologien“ (ProFIT). Unternehmer wie Jackson Bond können sich hier um Fördermittel bewerben, zum Beispiel um ein neues Produkt auf den Markt zu bringen. Doch die Nachfrage nach Fördermitteln lässt zu wünschen übrig. Ein neue Förderinitiative soll das ändern.

Kleine und mittelgroße Unternehmen und Forschungsinstitute mit Sitz im ehemaligen Ost-Berlin (und damit in einem von der EU besonders geförderten Gebiet) können an dem Ideenwettbewerb „ProFIT 2006“ teilnehmen. Der von der Berliner Landesinitiative „Projekt Zukunft“ ausgeschriebene Wettbewerb soll dazu dienen, noch in diesem Jahr bereit stehende Fördermittel in Höhe von vier Millionen Euro aus dem ProFIT-Programm beschleunigt zu vergeben (siehe Kasten). Pro Projektpartner werden bis zu 500 000 Euro ausgereicht.

Ein Großteil der Gelder wird für Projekte aus dem Bereich der Informationstechnologie aufgewendet. „Die IT-Branche hat noch eine geringere wirtschaftliche Stärke als beispielsweise die Biotechnologie oder die Medizintechnik“, sagt Wolfgang Both von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen.

Doch die Aussichten sind gut. Nach einer Umfrage des Software Verbands Berlin Brandenburg (SIBB) glauben 68 Prozent der befragten IT-Firmen in der Region, dass ihre Umsätze im Jahr 2006 steigen. Die Übrigen erwarten Umsätze auf Vorjahresniveau. Der Berliner Trend liegt damit über dem deutschen Durchschnitt. Das könnte sich auch auf die Arbeitsplätze auswirken: 48 Prozent der IT-Firmen in Berlin und Brandenburg wollen 2006 neue Mitarbeiter einstellen.

Dazu gehört auch 8hertz. In fünf Jahren ist die Softwarefirma auf elf Mitarbeiter angewachsen. „Wenn alles klappt, stellen wir in diesem Jahr noch drei Leute ein“, sagt Geschäftsführer Bond.

Standortnachteil Berlins ist, dass hier die ganz großen Unternehmen fehlen, die Aufträge heranziehen und an die Kleinen weitergeben. Zu den wichtigsten Berliner Firmen gehört AVM: Der Hersteller der Fritz! Card-Produkte erzielte im Geschäftsjahr 2005 mit 480 Mitarbeitern einen Umsatz von 200 Millionen Euro.

Die PSI AG, die unter anderem Softwarelösungen für Telefon- und Stromversorger entwickelt, erzielte im Geschäftsjahr 2005 einen Umsatz von 116,5 Millionen Euro. Der Konzern beschäftigt weltweit 1050 Mitarbeiter. Mehr als die Hälfte aller IT-Dienstleister in Berlin und Brandenburg aber hat weniger als 20 Mitarbeiter. Kleinen Unternehmen fehle vor allem die Vernetzung, so Both. Sie hätten weniger Kontakte zu Forschungseinrichtungen, zu anderen Unternehmen und potenziellen Geschäftskunden.

In Netzwerken wie dem Verband SIBB, der Marketinginitiative „We make IT“ oder dem Verein E-Government e.V. tauschen sich Unternehmer aus, um eventuell gemeinsam größere Projekte realisieren zu können. Von der öffentlichen Hand erwarten sie allerdings mehr Unterstützung. Der Aufruf zur Vernetzung sei zwar begrüßenswert, sagt Steffen Wiesner, Sprecher von „We make IT“. „Aber es wäre schön, wenn für wichtige Projekte dann auch Berliner Unternehmen ins Boot geholt würden.“ Denn als die Bürgerämter im vergangenen Jahr das Projekt „Parkgebühren über Handy zahlen“ ins Leben riefen, wurde eine Firma aus Österreich mit der Federführung beauftragt.

Jetzt hofft die Branche auf den Großflughafen Schönefeld. Das Prestigeobjekt könnte eine Menge Werbung auch für den IT-Standort Berlin-Brandenburg machen. Für die telefonische Flugauskunft würde zum Beispiel Jackson Bond gern eine Spracherkennungssoftware programmieren.

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